Das Sausalgebirge

Skriptum aus dem Jahre 1845, v. Georg Mally - k. k. Professor

Am Berg der Götter, zumindest Weingötter ;-)

Wer das schöne Hügelland der windischen Büheln in seinen westlichen Verzweigungen von einem erhöhten Standpunkte aus betrachtet, wird bei dem ersten Überblicke die Überzeugung gewinnen, daß sich diese Formation nicht auf windischen Anteil zwischen der Mur und der Drau beschränkt, sondern noch weit in den deutschen Boden des Marbugerkreises hinaufreicht. Durch die Bezirke Trautenburg, Witschein, Ehrenhausen und Seckau laufen in weiten Ausdehnungen die mit Weinreben bepflanzten Hügelreihen bis an das Sulmtal hin, und knüpfen sich dort durch den Seckauerberg und die Gegend Weisheim an das Sausalgebirge an.
Der geeignetste Standpunkt, diesen Zusammenhang auch außerhalb des Sausal`s deutlich zu übersehen, ist die Gora und der Tremmelberg bei heiligen Kreuz im Bezirke Wildhaus. Er ist nebst dem Peßnitzberg der nördlichste Vorsprung der ganzen Remschnikkette. Die Aussicht von dieser Höhe ist ungemein überraschend und dem Propekte von St. Urban bei Marburg in mancher Beziehung gleich zu stellen. Beide Punkte liegen auch nicht weiter als eine Stunde auseinander. Das Auge streift von da längs der ganzen Remschnikkette westwärts über heiligen Geist und die Ruinen von Schmierenberg und Arnfels bis an das hochgelegene Schloß Deutschlandsberg, gegen Norden über Ehrenhausen, Leibnitz und den Wildonerberg bis an die Hauptstadt Grätz, und gegen Nordosten über den schönsten Teil des Grätzerfeldes an die Höhen von Straden, Kapfenstein, Gleichenberg und Riegersburg. Vor sich hat der Beschauer die unendlich mannigfache Abwechslung der westlichen, schon größtenteils außer den Grenzen der windischen Sprache gelegenen Verzweigungen des wellenförmigen Hügellandes mit allen seinen Waldstrecken, Äckern, Wiesen, Weingärten und Landhäusern. Die westnördlichste und höchste Abteilung dieser zahllosen Weinhügel bildet nun das Sausalgebirge.
Besteigt man die Höhen des Sausal´s selbst, so erscheinen von seinem Gipfel aus die untersteir´schen Urgebirge vom Wechsel angefangen, in der Richtung gegen den Schöckel und Rosenkogel, gegen die Hand- und Koralpe, gegen den hohen Radel und den Zug des Bacher´s als ein weiter ansehnlicher Halbkreis, dessen innere Fläche ein tiefes Becken bildet, welches die weiten Ebenen des Grätzer- und Leibnitzfeldes, so wie die niederen Gegenden des Kainach-,Stainz-,Laßnitz-, Sulm- und Saggatales in sich begreift. Aus der Mitte dieses Beckens erhebt sich, von Norden her gesehen, ganz frei der weitausgedehnte Gebirgsstock des Sausal´s, und knüpft sich südlich, wie schon erwähnt wurde, über die Sulm hin an das weite Hügelmeer an, welches durch die windischen Bühel bis Luttenberg und in die Kolles fortläuft, und den Haupteil des steier´schen Weinlandes ausmacht.
Das Sausalgebirge liegt zwischen der 46. und 52. Minute des 46. Grades der nördlichen Breite, und zwischen 3. und 10. Minute des 33. Grades der östlichen Länge.

Natürliche Einteilung

Der Hauptstock des ganzen Gebirges, von welchem alle Verzweigungen auslaufen, ist der an der westlichen Seite sich erhebende Temmer- oder vielmehr, wie er in der dortigen Gegend genannt wird, der Temmelkogel. Diese Benennung kommt von dem althergebrachten Vulgarnamen des Bauers Temmel her, der an der Ostseite des Berges eine ausgedehnte Realität besitzt.
Für die Einteilung selbst gibt der Temmelkogel keinen geeigneten Anhaltspunkt. Um einen solchen zu finden, ist es nötig, den ganzen, bald höheren, bald niedrigeren Zug des Gebirges ins Auge zu fassen.
Dieser beginnt unfern von dem, im Bezirke Seckau befindlichen Dorfe Heimschuh über Fresing bis um Schlosse Ottersbach hin, sich aus dem Sulmtale sich zu erheben, steigt nordwärts durch Gauitsch und die Gegend bis Kitzegg, durch Altenberg und Brudersegg aber bis zur Höhe des Temmelkogels auf; zieht sich von da in gleicher Richtung über Harrachegg und die Wolfleiten nach Kreuzegg und bildet zwischen Harrachegg und Waldschach gerade da, wo die Gemeinden Mitteregg, Greith und Oberjahring zusammengrenzen, eine breite, tiefe Einsattlung, ohne daß der Gebirgsrücken selbst unterbrochen wird; denn gerade diese Niederung ist noch ein ziemlich erhöhter, mit Wald bewachsener Bergrücken, der zugleich die Wasserscheide bildet, indem von der einen Seite desselben die Gewässer der Laßnitz und von der anderen der Sulm zulaufen. Nordwärts von dieser Einsattlung erhebt sich der Gebirgsrücken wieder zur Höhe des Nikolai- und Mallitschberges, fällt zwischen diesen und der Gemeinde Flamberg, jedoch ohne Unterbrechung das zweite Mal ziemlich tief ab, steigt dann neuerdings zur Höhe des Spiegelkogels auf, dessen Verzweigungen ostwärts bis in die Gegend von Langg an der Laßnitz reichen und südwärts über Flamhof und Greßing sich zur Höhe des Kittenberges und Kreuzkogels erheben, welche beide wieder in das Sulmtal abfallen.
Dieser ganze, vom Sulmtal auslaufende und wieder dahin zurückkehrende, bogenförmige Gebirgszug wird durch die obengenannte, zwischen Harrachegg und Waldschach befindliche Niederung in zwei Abteilungen geschieden.

  • Die eine faßt die Gegenden Nikolaiberg, Mallitsch, Flamberg, Texenberg, Langgerberg, Greßing, Kittenberg und den Kreuzkogel in sich. Alle diese Bergreihen sind an ihrer Sonnseite mehr oder weniger mit Reben bepflanzt, bilden die nördlichen und östlichen Verzweigungen des ganzen Gebirges, und werden als die eine Hauptabteilung desselben mit dem Namen Vordersausal belegt.

  • Die zweite Hauptabteilung fällt in zwei Nebenzweige, die sich in der Gegend Kreuzegg auseinander scheiden. Der eine zieht sich von Kreuzegg südwestlich, enthält die höchste Gegend des ganzen Sausals, den Temmelkogel selbst in sich, und fällt süd- und westwärts von demselben in mehreren Verzweigungen ab, die nach St. Andrä, Gleinstätten und Ottersbach in die Gegend auslaufen, wo sich die Sulm mit dem Saggabache vereinigt. Der andere Nebenzweig spaltet sich ost- und südwärts von Kreuzegg in mehrere Bergreihen, die entweder gegen das vordere Sausal auslaufen, oder über Kitzegg in das Sulmtal abfallen. Auch diese Berge sind an der Südseite fast durchaus mit Reben besetzt, bilden die westliche Hälfte des ganzen Gebirges, und werden das Hintersausal genannt.

Gegen die eben gemachte Einteilung dürfte vielleicht bemerkt werden, daß die Gegenden Flamberg, Texenberg, Langgerberg, nebst Greßing nicht mehr dem Sausalgebirge zu rechnen seien, weil sie viel niedrieger gelegen sind. Allein es zeigt sich, daß die Niederungen zwischen Harrachegg und Waldschach, zwischen St. Nikolai und Purgstall keineswegs Unterbrechungen, sondern nur Einsattlungen einer und derselben Bergkette sind, die in einem länglichen Halbkreise vom nördlichen Abhänge des Temmelkogels zum Nikolaiberg, von da zum Spiegelkogel und von da zur Höhe des Kittenberges und Kreuzkogels fortläuft. Dieser natürliche, ununterbrochene Zusammenhang ist der entscheidende Grund für das Zusammengehören des Ganzen. Man dürfte auf diese Weise auch die Umgebung von St.Nikolai nicht mehr zum Sausalgebirg rechnen, obwohl dieser Ort seit Jahrhunderten St. Nikolai im Sausal genannt wird. Daß in mehreren der oben genannten niedriegeren Gegenden ein Wein von geringerer Qualität wächst, ist auch kein Grund, sie vom ganzen Gebirge, mit dem sie natürlich zusammenhängen, auszuscheiden. In einem Weingebirge von so großer Ausdehnung, wie das Sausal ist, müssen notwendiger Weise Erzeugnisse von bedeutend verschiedener Art vorkommen.

Täler und Gewässer

Das Sausalgebirge wird im Norden und Osten von der Laßnitz in einem weiten Bogen umflossen; längs der Südseite desselben strömt die Sulm hin. Die Grundfläche des Gebirges neigt sich vom Norden nach Süden, daher streichen die Haupttäler in der nämlichen Richtung, und die in denselben fließenden Bäche laufen der Sulm zu. Die vorzüglichsten Thäler sind:

  1. Das Muggenautal. Es ist das bedeutendste unter allen, indem es sich gegen zwei Stunden von Norden nach Süden in die Länge zieht und die Scheidewand zwischen Vorder- und Hintersausal bildet. Es beginnt an der niedern Einsattlung der Bergkette zwischen Grötsch und St. Nikolai, und hat den Namen von Muggenau, einem in der Nähe von St. Nikolai gelegenen Dorfe. Durch dieses Tal fließt der gleichnamige Bach, der aus zwei kleinen Bächen entsteht, deren einer in der Niederung zwischen Mitteregg und dem Nikolaiberge, der andere nordwärts dem Dorfe Muggenau seinen Ursprung hat. Beide vereinigen sich südwärts von Unterjahring, und fließen unter unzähligen Krümmungen zwischen grasreichen Wiesen der Sulm zu. Das Mugenautal ist durchaus fruchtbar und hat in der Gegend von Jahring seine größte Breite; jedoch sind ie Wiesen desselben beim Austreten des sonst kleinen, aber bei Regengüssen hoch anschwellenden Baches und die niedere Umgebungen im Früh- und Spätjahre häufig dem Froste usgesetzt.

  2. Das Wöllingtal oder wegen seiner geringen Breite vielmehr der Wöllinggraben genannt. Dieser Graben fängt im Hintersausal an der Südseite des Voreggs an, erreicht zwischen Gauitsch und Stuckleiten seine größte Tiefe, und ist an den Abhängen der beiderseitigen Berge sehr bewaldet. Er ist durchaus enger als das Muggenautal, hat jedoch schöne Wiesen, und seinem Namen von dem Wöllinghofe, einem in denselben befindlichen Bauerngute.
      Durch den Wöllinggraben fließt der gleichnamige Bach, der im Voregg aus dem Schauer´schen Teiche entspringt, das Nebenegg- und Mittereggbachel aufnimmt, beim Regenwetter häufig austritt und unweit des Dorfes Heimschuh in die Sulm fällt.

  3. Der Steinbachgraben. Er beginnt im Hintersausal am östlichen Abhang des Kitzeggs, bleibt durchaus eng und schmal, und zieht sich zwischen Gauitsch und Trebian einerseits, so wie zwischen Steinriegel und Sauegg andererseits dem Sulmtale zu. Durch denselben läuft das Steinbachbachel.

  4. Der Kroisgraben im Hintersausal; er nimmt in der Gegend Kreuzegg seinen Anfang, bildet die Scheidewand zwischen zwei Abteilungen des hintern Sausals, und hat seine größte Tiefe zwischen dem Temmelkogel und Kitzegg. Er ist breiter und mehr "cultivirt" als der Wöllinggraben. Das Kroisbachel fließt längs desselben in südlicher Richtung bei dem Dorfe Fresing der Sulm zu.

  5. Der Zeitschachgraben. Er beginnt in der Gemeinde Greith und zieht sich von der Gebirgseinsattlung, die zwischen Vorder- und Hintersausal den Zusamenhang, so wie zwischen der Sulm und der Laßnitz die Wasserscheide bildet, westwärts. Durch denselben fließt das Zeitschachbachel;dieses füllt die südwärts vom Schlosse Waldschach gelegene Teiche, fällt außer denselben in den Gleinzbach und mit diesem in die Laßnitz.

  6. Der Brudersegg-Graben zwischen Altenberg und Brudersegg im Hintersausal. Er entsteht am südwestlichen Abhange des Temmelkogels, ist in seiner Tiefe noch ziemlich bewaldet, und leitet das Bruderseggbachel südlich der Sulm zu.

  7. Der Kogelgraben im Vordersausal. Sein Anfang ist in der Gegend Haselbrunn, seine größte Tiefe zwischen Kittenberg, Rehleiten und Kogelberg. Auch diese Niederung nimmt südwärts ihre Richtung gegen die Sulm und ist durchaus eng und stark bewaldet.

Die übrigen, in dem weit ausgedehnten Sausal vorkommenden Gräben, so wie die in denselben fließenden kleinen Bäche sind zu unbedeutend, als daß sie besonders aufgezählt werden sollen. Wir wollen vielmehr nach diesen vorläufigen Bemerkungen zur näheren Übersicht der einzelnen Hauptteile des Gebirges selbst übergehen.

I  Vordersausal

Wir beginnen mit der vordern Abteilung, weil die Gegenden derselben der Hauptstadt "Grätz", dem Leibnitzerfelde und der durch dasselbe führende "Hauptcommercialstraße" des Landes näher liegen, und daher mit Recht Vordersausal genannt werden. Da jedoch im ganzen Sausal außer einigen in den Tälern liegenden Dörfern keine geschlossene Ortschaft vorkommt, sondern nur die Anhöhen teils der überraschenden Aussichten, teils der freundlichen Weingärten und Landhäusern wegen für den Fremden die Hauptsache sind, so wollen wir die vorzüglichsten Partien des ganzen Sausalgebirges nach den interessantesten Bergspitzen ordnen.

  1. Die Partie des Nikolaiberges. Sie ist für diejenigen, die von "Grätz" kommen und oder Wildon von Neudorf über die Anhöhe bei Lichendorf in das Laßnitztal einbeugen, unstreitig die nächste, und umfaßt die Gemeinden Grötsch, St. Nikolai, Mallitsch mit Lichtenegg, Lamperstetten und Waldschach, die sämtlich im Bezirke Waldschach liegen und zur Pfarre St. Nikolai gehören.
    Der Nikolaiberg erhebt sich unweit des südlichen Ufers der Laßnitz, zieht sich der Hauptrichtung nach von Westen nach Osten, ist an der Nordseite mit Nadelholz bewachsen, an der Südseite aber durchaus mit Reben bepflanzt. Er gewährt von seiner Höhe eine überraschende Aussicht in die abwechslungsreiche Gefilde des wohlerbauten Stainz- und Lasnitztales.
    Am östlichen Fuße desselben liegt das Pfarrdorf St. Nikolai im Sausal genannt. Merkwürdig ist das hohe Alter der hier erbauten Kirche. Sie war in den frühesten Zeiten eine zum Bezirke der Pfarre Leibnitz gehörige Kapelle, bei welcher mit Bewilligung der Erzbischöfe von Salzburg die Taufen, die Begräbnisse und andere religiöse Verrichtungen für die, von Leibnitz zu weit entfernten Pfarrinsassen dieser Umgebung vorgenommen wurden. Um das Jahr 1157 überließ Gottfried von Wietingen diese Kapelle sammt den dazu gehörigen Gerechtsamen an Zehent u. d. gl. dem Stifte Admont. Hierüber entstand zwischen diesem Stifte und der Pfarre Leibnitz ein langwieriger Streit, welchen Eberhard, Erzbischof von Salzburg, im Jahre 1215 zu Gunsten des Stiftes Admont entschied. St. Nikolai mag bald darauf zur Pfarre erhoben worden sein, und ist seitdem beständig dem Stifte "incorporirt" geblieben.
    Seit dem letzten fünf und zwanzig Jahren hat sowohl diese Kirche, als auch der Ort eine gänzliche Umstaltung erfahren. Zwei Pfarrer, Cajetan Edler von Hammer und Marian Brunner, beide Capitularen des Stiftes Admont, haben sich in dieser Beziehung hier ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Durch die menschenfeundlichen, auf wahre Religiösität abziehlenden Bemühungen des Ersteren, womit er auf seine Pfarre zu wirken wußte, wurde nicht nur die alte, düstere Dorfkirche vergrößert und in ein helles, freundlich gemaltes Gotteshaus umgestaltet, sondern auch das Pfarrgebäude in einen viel verbesserten Zustand gesetzt. Der Zweite arbeitete an der inneren Verschönerung der Kirche fort, und brachte den gegenwärtigen, durch erhabene Einfachheit entsprechenden Altar zu Stande.
    Hierdurch erwachte auch bei den übrigen Dorfbewohnern der Sinn für Verbesserung. Mehrere unbebaute Strecken in der Umgebung wurden in fruchtbringende Felder und freundliche Obstgärten umgestaltet, der sehr ungleiche Platz im Inneren des Dorfes ward geebnet, mehrere neue Gewerbe fanden Unterkunft und Beschäftigung, die alten hölzernen Wohnungen verschwanden eine nach der anderen, und hübsch gemauerte, für ein ländliches Kirchendorf passende Häuser traten an ihre Stelle.
    St. Nikolai ist ostwärts von dem feundlichen Kranze des Flamberger - Weingebirges umgeben. Durch das südliche Tal hin gewährt es eine angenehme Aussicht auf die Abteilungen des Kittenberges, so wie in das heitere Sausal auf die Höhe von Mitteregg. Das Muggenautal ist hier über eine Viertelstunde breit, an den beiderseitigen sanften Anhöhen desselben ziehen sich wohlbestellte Felder hin, in der Vertiefung liegen die Wiesen, zwischen denen die Häuser und Gärten der Dörfer Muggenau, Ober- und Unterjahring zwar zerstreut, doch so nahe an einander liegen, daß sie von Weitem nur eine Ortschaft auszumachen scheinen. Das erstere unter diesen Dörfern ist das älteste der Gegend; es war schon im zwölften Jahrhundert unter den Namen "Muckyrnowe" bekannt. Nur ein größerer Bach fehlt diesem wirklich angenehmen Tale, dessen Boden vorzüglich für den Weizenanbau geeignet ist.
    Am westlichen Abhang des Nikolaiberges steht auf einer geringen Anhöhe das Schloß Waldschach. Die Vorderseite des, in einem gleichmäßigen Vierecke ausgeführten Gebäudes gewährt eine freundliche Aussicht in das nahe Lasnitztal bis an den, beiläufig eine Meile davon entfernten Markt Preding. An der Rückseite zeigen sich außer den Weingärten des Nikolaiberges hochliegende Abteilungen des Temmelkogels. Im Tale unter dem Schlosse befanden sich früher sehr große Fischteiche, die gegenwärtig bis auf etlichere kleinere ausgelassen und in Wiesen umgestaltet sind, durch welche der Gleinzbach in nördlicher Richtung der Lasnitz zuläuft.
    Durch dieses Tal zieht sich auch die von "Grätz" über Preding und Eibiswald nach Kärnten führende Straße hin. Längs derselben entstanden seit zwanzig Jahren einige hübsch gebaute Häuser, wodurch die früher sehr einsame Gegend mehr belebt wurde.
    Waldschach war lang ein Besitzthum der Grafen von Breuner, seit 1805 gehört diese Herrschaft den Grafen von Khünburg.
    Am Fuße des Mallitschberges liegt die Ortschaft Lamperstetten, und Hart an der Lasnitz nordöstlich von Waldschach das Dorf Grötsch, welches schon in Urkunden des dreizehnten Jahrhunderts unter dem Namen "Chrots" vorkommt.

  2. Die Partie des Spiegelkogels. Sie umfaßt die nordöstlichen, am niedrigsten gelegenen Weinberge des Sausals, und besteht aus den Gemeinden Flamberg, Texenberg, Lechen, Langgerberg, Schirka, Maxlon, Greßing und Altenberg, von denen die erste zum Bezirke Waldschach, die übrigen zu Seckau gehören. Die erste ist nach St. Nikolai, die vier folgenden sind nach Langg, die drei letzten nach Leibnitz eingepfarrt. Der Spiegelkogel erhebt sich an der Grenze des "Grätzerkreises" unweit des Dorfes Grötsch und bildet die höchste Spitze des nördlich vom Gute Flamhof gelegenen Purgstaller Weingebirgs. Man hat von dieser Höhe eine angenehme Aussicht in die weite Ebene des Leibnitzerfeldes, auf die Ortschaften an der Südseite des Wildonerberges und in das wiesenreiche Lasnitztal bis nach Hengsberg und Preding. Die Weingebirge Lechen und Langgerberg sind die östlichsten, so wie die von Purgstall und Haritzberg die südlichen Verzweigungen des Spiegelkogels. Ganz in der Ebene, aber noch am rechten Ufer der Lasnitz liegt die Gemeinde Göttling.
    In der ganzen, zu dieser Partie gehörigen Gegend, findet man nur zerstreute Wohnungen; die Weingarthäuser samt den dazu gehörigen Winzerwohnungen und einfachen Preßgebäuden und Kellern stehen, so wie die in den meisten Gegenden des Sausals auf den Anhöhen reihenweise, so wie sie zu den einzelnen Weingartabteilungen gehören. Am wenigsten wird der Weinbau in den Gemeinden Schirka und Maxlon betrieben, dafür haben diese Gegenden ihrer Tonlager wegen einen guten Weizenboden.
    In der Gemeinde Flamberg liegt auf der, aus dem Muggenautale sich erhebenden Anhöhe zwischen Wein- und Obstgärten das niedliche Schloßgebäude des Gutes Flamhofes. Man übersieht von hier aus den größten und schönsten Teil des ganzen Sausals, so wie die weiten Flächen des Murtales bis Radkersburg. Die Untertanen dieses Gutes sind noch zu starken Roboten verpflichtet, während diese bei den benachbarten Gegenden fast durchaus "reluirt" sind.
    Die Gemeinde Maxlon hat ihren Namen von einer kleinen, dem heil. Maximillian geweihten Kirche. Diese steht von Flamhof ostwärts auf der vom Spiegelkogel nach Süden laufenden Anhöhe, und gehört als Filiale der Decanatspfarre Leibnitz.
    In der nämlichen Richtung zieht sich auch von Flamhof die Bergkette durch eine einsame, waldige Gegend "im Gesseg" genannt, bis hin zu den Weingebirgen Greßing und Altenberg. Da steht auf einem sehr freundlichen Standpunkte das sogenannte "Fünfthurnschlössel". Dieses war einst ein zur Herrschaft Grottenhofen gehöriges Jagdhaus, gegenwärtig ist es mit dem dazu gehörigen Grundstücken eine, dahin untertänige Bergrealität.
    Die Gemeinde Altenberg grenzt südlich

  3. an die Partie des Kreuzkogels und Kittenberges. Diese umfaßt die höchsten Gegenden des vorderen Sausals und begreift die Gemeinden Grottenhofen, Kogelberg, Kittenberg, Steingrüb und Muggenau in sich, die zum Bezirke Seckau und zur Pfarre Leibnitz gehören.
    Der geeignetste Punkt, alle diese Gegenden mit ihren Weinhügeln und Bergreihen, so wie überhaupt das ganze Vordersausal in seinem Zusammenhange mit Hintersausal zu übersehen, ist der unfern des Schlosses Seckau aus dem Sulmtale sich erhebende Kreuzkogel. Er gewährt eine Aussicht, die nebst der vom Temmelkogel die interessanteste im ganzen Sausal ist, und in diesen Blättern schon ausführlich angezeigt wurde.
    Zur Partie des Kreuzkogels gehören folgende, unter althergebrachten Namen bekannte Weingebirgsgegenden: Wiß, Streßnitz, Kainberg, Haselbrunn, Kogelberg, Sulmleiten, Silberberg, Rehleiten, Kittenberg und Innerberg. In der Sulmleiten und am Silberberg fällt der Zug des Kreuzkogels steil gegen die Sulm ab, durch Kainberg und Streßnitz dehnt er sich östlich gegen die Laßnitz aus, und zeigt als Auflagerungen mächtige Schichten von Grobkalk, in welchen sich zahlreiche, wohlerhaltene Conchylien finden.
    Die Sulm und Lasnitz vereinigen sich in der Gemeinde Grottenhofen, die ihren Namen von einem Schlosse erhielt, welches nicht weit von diesem Zusammenflusse am Fuß der Weinberge stand und in Vischer´s Topographie noch vollständig abgebildet ist. Ein beträchtlicher Teil dieses Schlosses, dessen Dominium gegenwärtig dem Schlosse Seckau gehört, war am Anfange dieses Jahrhunderts bereits verfallen. Johann Friedrich, Graf von Waldstein und Bischof zu Seckau, faßte den Entschluß, das Verwaltungsamt von Seckau nach Grottenhofen zu übertragen, und zur Unterbringung der Kanzlei und des Amtspersonals das Schloß wieder herzustellen. Sein im Jahre 1812 erfolgter Tod vereitelte jedoch diesen Plan, und die darauf folgende Temporalitätsverwaltung trug auf gänzliche Wegräumung des Gebäudes an, die auch in den Jahren 1815 bis 1817 vollendet wurde, so daß außer der Jägerwohnung und dem Meierhofe von dem eigentlichen Schlosse gar nichts mehr zu sehen ist.
    Als im sechzehnten Jahrhundert die protestantische Lehre sich in die Steiermark auszubreiten anfing, und den Landständen im Jahre 1578 auf dem Landtage zu Bruck von Carl II. die freie Religionsausübung auf ihren Schlössern gestattet wurde, war Mathias Ammon, landschaftlicher Sekretär zu "Grätz", im Besitze dieser Herrschaft. Er erbaute auf einer kleinen Anhöhe neben dem Schlosse ein protestantisches "Bethhaus", in welchem dann die Bürger von Leibnitz und viele Andere aus der Umgebung den gottesdienstlichen Verrichtungen beiwohnten. Ferdinand II. beschloß jedoch die protestantische Lehre aus der Steiermark zu verdrängen; man vertrieb die Prediger und riß die Bethäuser nieder. Dieses Schicksal traf auch die Kirche zu Grottenhofen. Sie wurde am 28.Jänner 1600 durch Pulver zersprengt. An derselben Stelle steht gegenwärtig ein Wirtshaus, welches vor etlichen Jahren abbrannte, und als der Besitzer beim Wiederaufbau eine Ausgrabung vornehmen ließ, kam man auf den vormaligen, bei dieser Kirche bestandenen Begräbnisplatz.
    Sehr groß und schön war im Schlosse Grottenhofen der mit Marmor belegte, die ganze östliche Front des Gebäudes einnehmende Rittersaal. In demselben befand sich eine Inschrift, aus der man ersehen konnte, daß dieses Schloß nach der Veränderung, welche mit der protestantischen Lehre in Steiermark vor sich ging, an die Grafen von Heinrichsberg kam. Hermann von Heinrichsberg besaß im Jahre 1664 außer Grottenhofen noch Weier, Spielberg, Neudorf, Heinrichsberg und ein Haus in "Grätz". Im Jahre 1740 starb dieses Geschlecht aus, und Jakob Ernst, Graf von Lichtenstein und Bischof zu Seckau, leitete den Kauf von Grottenhofen ein, der jedoch erst unter seinem Nachfolger Leopold III., Grafen von Firmian, zu Stande kam. Seit dieser Zeit sind beide Herrschaften immer vereinigt geblieben.
    Außer dem Kreuzkogel ist in dieser Gegend auch die Höhe von Haselbrunn ein sehr "bemerkenswerther Standpunct". Sie bildet ein breites, mit Obstbäumen und einem ländlichen Weingartenhause besetztes Bergplateau, von welchem aus sich nach allen Seiten ein großartiges Bild der Umgebungen sich aufschließt. Am weitesten öffnet sich der Horizont nach Norden und Osten, indem Untersteiermark bis "Grätz", Gleichenberg und Radkersburg mit seinen ausgedehnten und wohlbebauten Hügelreihen offen vor dem Auge daliegt.
    Unmittelbar an dieses Bergplateau knüpft sich nach einer unbedeutenden Einbeugung südwestlich der Kittenberg an. Auch dieser stellt auf der Höhe eine kleine, etwas in die Länge gezogene Bergebene dar, die in zwei Abteilungen zerfällt, auf deren einer das großartige, zum Bistum Seckau gehörige, auf der andern das Pferschy´sche Weingarthaus steht. Da der Kittenberg an Höhe dem Kreuzkogel wenig nachgibt und zwischen diesem und dem hintern Sausal in der Mitte liegt, so hat dieser Standpunkt für die Ansicht der verschiedenartigen Umgebungen sein "Eigenthümliches". Viele Partien, die sowohl vom Kreuz- als auch vom Temmelkogel aus sichtbar sind, tauchen von hier aus in einem ganz anderen Lichte auf, und wenn auf den beiden genannten Höhen die vor- und nachmittägige Sonne zur Beleuchtung der ferneren Gegenden von entscheidender Wirkung ist, so findet sich das Auge von hieraus durch den großartigen Anblick des interessantesten Panorama´s zu jeder Tageszeit im hohen Grade befriedigt.
    Der Kittenberg fällt gegen Osten in der Gegend Rehleiten steil, gegen Süden aber unter der Benennung Nieder - Kittenberg in sanfter Abdachung gegen das Sulmtal ab; eine nordwestliche Verzweigung desselben verflächt sich durch die Gegenden Innerberg und Steingrüb in das nahe Muggenautal. Durch dieses fließt der gleichnamige Bach, der, wie schon früher bemerkt wurde, zwischen Vorder- und Hintersausal die Grenze bildet.

II  Hintersausal

Diese Abteilung besteht aus einem weitläufigen, durch keine bedeutenden Niederungen von einander getrennten Gebirgsstock, der, wie schon früher gesagt wurde, in zwei Abteilungen zerfällt, die durch den Kroisgraben auseinander gehalten sind, und auf der Höhe von Kreuzegg zusammen laufen. Die ostwärts von Kreuzegg und dem Kroisgraben gelegene Abteilungen zerfällt in mehrere Bergreihen, die mehr oder weniger parallel neben einander sich hinziehen und durch den Wölling- und Steinbachgraben getrennt werden.
Jede derselben hat wieder längere oder kürzere Ausläufer. Diese, so wie die dazwischen liegenden Niederungen haben ihren eigenen Namen, daher kommt es, daß so viele Benennungen in einer und derselben Gemeinde vorkommen. Die zweite, westlich von Kreuzegg und dem Kroisgraben befindliche Abteilung hat weniger Ausläufer und fällt in Richtung gegen St. Andrä und Gleinstetten mehr gleichmäßig ab.
Wollen wir nun die Tour aus dem vordern in das hintere Sausal über das Muggenautal fortsetzen, so tritt uns

  1. zuerst die Partie Mitteregg als eine der ausgedehntesten entgegen. Sie bildet den von Kreuzegg am längsten gegen Südosten auslaufenden Gebirgszug, der zwischen dem Wöllinggraben und dem Muggenautal liegt, und enthält die Gemeinden Neurath, Petzels und Mitteregg, von denen die erstere zum Bezirke Seckau und zur Pfarre Kitzeck, die beiden letztern zum Bezirke Waldschach und zur Pfarre St. Nikolai gehören. Selbst die Gemeinde Pernitsch, die zum Bezirke Seckau und größtenteils zur Pfarre Leibnitz gehört, stark bewaldet ist, und wenig Weinbau treibt, kann zu dieser Partie gerechnet werden.
    Die Gemeinde Neurath umfaßt die Gegenden Mittereggleiten, Koregg, Dörferberg, Neurath, Reschleiten, Plesch und Sainetz. Sie besteht aus einem von Norden nach Süden hinlaufenden Bergrücken, der nicht zahlreiche Weingärten, in seiner Abdachung gegen den Wöllinggraben aber guten Feldbau hat.
    Zur Gemeinde Petzels gehören das ausgedehnte Weingebirg Stuckleiten und die Gegend Rauchegg. Petzels selbst besteht aus mehreren zerstreuten Bauernhöfen und verflächt sich mit seinen Feldern in das Muggenautal. Der Weinbau beginnt von dieser Seite erst in der Gemeinde Mitteregg. Diese enthält drei, parallel neben einander laufende Bergreihen, von denen die nördliche unter den Namen des Nebeneggs und die südliche unter dem des eigentlichen Mittereggs bekannt ist.
    Wenn man über den sanft sich erhebenden Bergrücken des Voreggs hinaufgeht, so eröffnet sich von dieser mit freundlichen Winzerwohnungen und schattigen Nuß- und Kastanienbäumen besetzten Anhöhe ein Anblick, der unter den interessantesten im ganzen Sausal gehört. In einem weit gezogenen Halbkreise breiten sich die Abteilungen des Nikolaiberges und Spiegelkogels mit ihren zahlreichen Weingarthäusern rechts als Hintergrund aus, während im Vordergrunde die Dörfer St. Nikolai, Muggenau, Ober- und Unterjahring zwischen fruchtbaren Äckern und Wiesen eines der lieblichsten Landschaftsbilder vollenden.
    Auf der Höhe von Mitteregg laufen in drei Bergreihen Voregg, Mitteregg und Nebenegg in einen Punkt zusammen, der eine beträchtliche Ebene bildet und einer der schönsten im ganzen Sausal ist. Da steht neben einem schattenreichen mehr als 150 jährigen Kastanienbaum das vormals Liebenwein´sche nun Frank´sche Weingarthaus mit einem niedlichen Garten und einer schön gebauten Kapelle. Dieses Gebäude ist bei seiner großartigen Anlage und höchst interessantesten Fernsicht eine der lieblichsten Sommerwohnungen in der Untersteier.
    Ein zweiter in Kreuzegg auslaufender, über Hochegg, Hinteregg, Geisriegel, Langriegel bis Kitzegg sich hinziehender Bergrücken wird von dort an durch den Steinbachgraben in zwei Teile geschieden und faßt die Partien Gauitsch, Kitzegg und Einöd in sich. Man kann daher unmittelbar von Kreuzegg aus in jede derselben gelangen. Da es jedoch zur Vollständigkeit erforderlich ist, auch die niedrigeren Gegenden dieser Abteilungen zu kennen, so wird man am besten tun, wenn man vom Sulmtale aus jede einzeln nach einander aufwärts durchwandert.

  2. Die Partie Gauitsch. Sie umfaßt die Abteilungen zwischen den Steinbach- und Wöllinggraben, ist von der Partie Mitteregg durch den letzteren getrennt, und begreift die zum Bezirke Seckau und zur Pfarre Kitzegg gehörige Gemeinde Gauitsch, bestehend aus den Gegenden Groß- und Kleingauitsch, Steinbach, Zeggerl, Trebian und Sachernegg.
    Aus dem Sulmtale wendet man sich zwischen dem Schlosse Seckau und dem Dorfe Heimschuh durch Pernitsch in den Wöllinggraben. Rechts hat man hierauf das Weingebirg Reschleiten samt Neurath, links die Weingärten von Trebian und Gauitsch. Zwischen Obstpflanzungen und zahlreichen Weingarthäusern führt der Weg steiler als im Voregg aufwärts; man gewinnt nach und nach eine Aussicht über das Weingebirg Stuckleiten und über die schönsten Gegenden des vordern Sausals. Es wiederholt sich die Aussicht von Voregg, nur in weit größerer Ausdehnung, indem eine Abteilung Untersteiermark´s nach der anderen bis gegen Ungarn hin aus der tiefen Ferne herauftaucht. Den schönsten Überblick von dieser angenehmen, mit Obstbäumen und Weingeländen besetzten Bergebene des hohen Gauitsch gewährt der Punkt unfern des Iberer´schen und Markt-Müller´schen Weingarthauses.

  3. Die Partie Einöd. Der zwischen dem Krois- und Steinbachgraben liegende Theil des hintern Sausal fällt gegen das Sulmtal in der Form eines unregelmäßigen Halbstreifes ab. Die Gegend ist demnach ihrer südlichen und südwestlichen Lage wegen vorzüglich zum Weinbau geeignet und umfaßt unter den Namen Einöd und Teutenbach, welche beide zum Bezirke Seckau und zur Pfarre Kitzegg gehören, eine Weingebirgsgegend, die ihrer Art und Lage die eigentümlichste in der Steiermark ist.
      Westwärts von dem vorhin genannten Dorfe Heimschuh führt der Weg in die Einöd aus dem Sulmtale durch eine Waldstrecke aufwärts. Bald beginnen die Weingärten, die den ganzen halbkreisförmigen Abhang einnehmen. Durch die Mitte des Bergabhanges zieht sich mit einer geringen Steigerung die Straße hin. Dadurch wird jeder Weingarten in zwei "Theile getheilt", deren einer unter, der andere ober der Straße liegt. Da der Berg steil ist, so betritt man außer der Straße keinen ebenen Boden. Längs dieser stehen die hölzernen Winzereien, gemauerte weingarthäuser und kleinen, mit einer Presse versehenen Keller. Die Weingartparzellen sind bedeutend lang, aber nicht breit, daher reihen sich Winzerei an Winzerei und Keller an Keller. So stellt dieses von Weitem eine beinahe ebene, halbkreisförmige, bei drei Viertelstunden lange Reihe von verschiedenartigen Gebäuden dar, die alle in der Mitte von Weingärten stehen. Die Wände sind meistens bis an das Dach hinauf mit Reben überkleidet, an den Weingärten selbst sind längs an der Straße durchaus Rebengeländer gezogen. Es ist daher ein hoher Genuß zur Zeit der Weinblüte oder im Monat September, wo die Trauben reifen und die Rebengelände alle auf die gleiche Höhe gestutzt werden, diese Traubenallee zu durchwandern. Immer ist jedoch das Hinaufgehen lohnender, weil man in diesem Falle die ganze Gebirgspartie beständig vor Augen hat, und von der Höhe dann einen überraschenden Rückblick in die Tiefe genießt. Das Sulmtal ist gerade hier zwischen der Einöd und der gegenüber liegenden Höhe von Weisheim am engsten, so daß es nur für die Sulm und die neben derselben hinlaufende Straße Raum gibt. Ober der Straße ist eine steile Felswand, über derselben eine Waldstrecke, dann beginnen die Weingärten, über denen auf der Höhe des Bergrückens wieder ein Waldsaum ist. Da nun die Häuser fast über der Mitte des Bergabhangs stehen, so ist der Anblick von der Anhöhe in die waldige Bergschlucht, durch welche sich bogenförmig die Sulm windet, wahrhaft romantisch. Beinahe in der Mitte der Einöd hat man den schönsten Überblick. Weiter hinauf öffnet sich dann in Teutenbach eine bedeutende Fernsicht in das weit auseinander tretende Sulm- und Saggatal, so wie auf die an Kärnten´s Grenze gelegenen Hochgebirge.
    Von Teutenbach führt die Straße unmittelbar aufwärts

  4. in die Partie Kitzegg. Diese ist eine der angenehmsten, weil man längs derselben sich immer auf dem Höhenzuge des Gebirges befindet. Ich rechne dazu, erstens die an Gauitsch und Einöd grenzende Gemeinde Steinriegel, bestehend aus den Gegenden Sauegg, Steinriegel, Kitzegg, Langriegel und einem Teil von Edelschuh, die sämtlich zum Bezirke Seckau und zur Pfarre Kitzegg gehören; zweitens die zum Bezirke Waldschach und zur Pfarre Kitzegg gehörigen Anteile der Gemeinden Greith, bestehend aus Geisriegel, Hinteregg, Hochegg und Kahregg.
    Die ganze Partie bildet einen zusammenhängenden Bergrücken, der von der Höhe des Steinriegels über Kitzegg mit der Umbeugung nach Nordwest fortläuft, der einerseits in den Kroisgraben steil abfällt, andererseits mit Hochgauitsch zusammenhängt, in Hinteregg eine Einsattlung hat, und durch Kreuzegg sich an die Höhe von Mitteregg anschließt. Ein östlicher Ausläufer derselben ist der zwischen Mitteregg und Gauitsch sich endende Geisriegel.
    Dieser mehr oder weniger breite, beiderseits mit schönen Weingärten besetzte Bergrücken hat einige sehr schöne Punkte. Den vorzüglichsten bietet die freie Bergkuppe dar, auf der die weithin gesehene Kirche St. Maria in Kitzegg steht. Selbst aus der Mitte der Kirche erblickt man, wenn man sich gegen Norden wendet,bei heiterem Himmel die Hauptstadt "Grätz". Kitzegg war seit alten Zeiten eine Filiale von Leibnitz, und wurde erst unter Kaiser Joseph II., als man die neue Pfarreinteilung vornahm, zur Pfarre erhoben. J. Maurer war der erste Pfarrer. Die Kirche an sich verrät keine alte Bauart, ist jedoch klein und einfach. Nur das einzige Schulgebäude steht in der Nähe, das Pfarrhaus befindet sich in bedeutender Entfernung am östlichen Abhange des Berges, weil er ursprünglich ein Weingarthaus war, welches durch ein Vermächtnis an die Kirche kam. Im Jahre 1833 schlug ein Blitz in den Turm, brannte das Dach desselben ab und schmolz die Glocken, doch wurde die Kirche gerettet.
    Die interessanteste Stelle ist eigentlich südwärts am Friedhofe, der etwas höher liegt. Weithin streift da das Auge über die südöstliche Steiermark, verfolgt gegen Süden den ganzen Längenzug des Bachers, sowie gegen Südwesten die zackigen Kalkgebirge Kärntens von der langgedehnten Petze bis zur steilen Felsspitze des Obirs. Nur gegen Norden verschließt der nahe gegenüber stehende Temmelkogel die Fernsicht, die dafür gegen Norden bis an den Hochschwab und Wechsel sich desto freier eröffnet.
    Ein eigenes Gefühl ergreift das "Gemüth", wenn man von diesem schönen Standpunkt aus in die weite, bewegte Welt hinausschaut, und dann den Gedanken wieder auf die Stätte lenkt, wo die sterblichen Reste der irdisch Vollendeten unter unsern Füßen ruhen. Nicht bald ist irgendwo ein Kirchhof seiner Lage nach so ansprechend, wie dieser.
    Großartig zeigt sich der, sowohl seiner Höhe als auch seiner ganzen Ausdehnung nach gegenüberliegende Temmelkogel, der aus der Tiefe des Kroisgrabens sich erhebt, und gegen die ostwärts gelegenen, immer niedriger sich verlaufende Weinberge auf eine imposante Weise absticht.
    Abwechselnd zwischen Obst- und Weingärten führt die Straße von Kitzegg längs des Bergrückens nach Kreuzegg, wo sie sich in drei Züge teilt. Der östliche geht nach Mitteregg, der nördliche abwärts nach Waldschach und der westliche führt aufwärts

  5. zur Partie des Temmelkogels. Der höchste Teil des ganzen Sausal´s, die Gemeinde Höch, bildet den Hauptpunkt derselben. Außer diesen kann man noch die Gemeinden Neudorf, Sausal, Brunngraben, St. Andrä, Reith und Rettenberg hierher rechnen, die zum Bezirke Harrachegg und größtenteils zur Pfarre St. Andrä gehören, denn nur Teile derselben, nämlich Kreuzegg, Wolfleiten, Kalchriegel und der zur Gemeinde Höch gehörige Teil von Edelschuch sind nach Kitzegg zugeteilt.
    In der Gemeinde Höch liegt der 2124 Fuß hohe Temmelkogel. Er fällt gegen Osten in den Kroisgraben durchaus steil ab, und hat in der Gegend Kalchriegel die steilsten Weingärten des ganzen Sausal´s. Gegen Süden und Westen ist die Abdachung in das Sulmtal weit mehr gefällig, gegen Norden aber zieht sich durch Kreuzegg der hohe Bergrücken hin, von welchem, wie schon gezeigt wurde, alle bisher genannten Partien des hintern und vordern Sausal´s als Zweige auslaufen. Von dem hier zusammentreffenden Durchkreuzen der verschiedenen Bergreihen hat diese Gegend wahrscheinlich den Namen Kreuzegg erhalten.
    Am nordwestlichen Abhange des Temmelkogels liegt in bedeutender Höhe zwischen Bäumen und Rebengeländen das Amtsgebäude der Bezirksherrschaft Harrachegg. Es wird im ganzen Sausal gewöhnlich "das Berghaus" genannt, weil ein großer Teil des Gebirges mit der Bergrechtsabgabe, die in einer bestimmten Menge Wein besteht, dahin unterthänig ist. Das Haupterträgnis der Herrschaft besteht sonach im Weine. Sie war mehrere Jahrhunderte mit Deutschlandsberg vereinigt, und gehörte zum Erzbistume Salzburg. Später kam sie an den Religionsfond, von welchem sie 1811 Moritz Graf von Fries und von diesem 1818 Fürst Johann von Liechtenstein erkaufte.
    Die Gemeinde Sausal besteht aus den Gegenden Hoch- und Niedersausal nebst Alt- und Neukerschegg. Im Hochsausal befindet sich an der Bezirksstraße nordwärts von Harrachegg der tiefe Bruch eines weißen, kalkschieferartigen Gesteines, welches, weil es den Kalkmörtel sehr gerne annimmt, weit umher als Baumaterial benützt wird. Bei diesem Bruche genießt man eine Fernsicht, die der vom Temmelkogel wenig nachgibt. Die Gegend Niedersausal erstreckt sich abwärts bis in den Zeitschachgraben, in welchem mehrere Brüche eines bräunlichen Schiefers vorkommen.
    Von Harrachegg führt eine gute Straße durch Weinpflanzungen und Obstgärten in westlicher Richtung abwärts in die Gemeinde St. Andrä. Diese, samt den Brunngraben und Rettenberg, wozu auch die Gegenden Schmalegg, Breitriegel und Hemetriegel gehören, fassen die westlichen Teile des hintern Sausal´s in sich. Nahe, nur durch einen Bergrücken vom Gleinztale getrennt, liegt auf einer kleinen, vom Hauptstock des Temmelkogels auslaufende Anhöhe die Pfarre St. Andrä. Die Kirche ist hoch und in einem freundlichen neueren Stile gebaut. Außer dem ansehnlichen Pfarr- und neuen Schulgebäude sind nur einige Häuser in der Nähe. die Umgebung ist übrigens ziemlich bewaldet, das Tal aber in hohen Grade einförmig. Über die Anhöhe von St. Andrä zog sich bisher die Straße hin, welche die Verbindung zwischen "Grätz" und dem Radel über Preding und Gleinstetten herstellt. Um die "Communication" zu erleichtern, wurde durch die Konkurrenz der benachbarten Bezirke diese Straße von Gleinstetten in das nahe Tal umlegt, der zwischen St. Andrä und Waldschach befindliche Bergrücken durchschnitten, und der zwischen Waldschach und "Zendorf" gelegene Hügel durch Umlegung der Straße an dessen Abhang vermieden. Auf diese Art sind an dieser Straße alle Anhöhen von Preding bis Wies beseitigt und dadurch der Verkehr zwischen "Grätz" und Kärnten gefördert.
    Die Südseite des Temmelkogels ist bis zum Gipfel hinauf mit Weinreben und Obstbäumen besetzt, zwischen denen sich mehrere hübsche Landhäuser recht niedlich ausnehmen. Der Berg fällt anfangs etwas steil ab, zieht sich dann in mehreren Höhenabteilungen gegen die Sulm hin und bildet hierdurch

  6. die Partie Brudersegg, bestehend aus den Gemeinden Fresing, Brudersegg und jenen Gegenden des Sausal´s, die zum Bezirke und zur Pfarre Gleinstetten gehören. Die Gemeinde Fresing besteht aus dem gleichnamigen Dorfe und aus der Gegend Hollerbach, und gehört ganz zum Bezirke Seckau; in kirchlicher Beziehung ist sie jedoch geteilt, denn das beträchtliche, am Fuße des Sausal´s gelegene Dorf Fresing gehört zu Kitzegg, Hollerbach aber zur Pfarre St. Georgen in Klein. Zwischen Fresing und Hollerbach liegt die Gemeinde Brudersegg, die auf sonderbare Weise ganz zum Bezirke Arnfels gehört, in pfarrlicher Hinsicht aber auch geteilt ist. Ein Teil derselben, nämlich Altenberg steht unter Kitzegg, das eigentliche Brudersegg aber unter Klein. Zum Bezirke und zur Pfarre Gleinstetten gehören der Gleinstetterberg, die Gemeinde Sausal, ein Teil von Hollerberg und die Gegend Kohlgruben.
    Der schönste Standpunkt in dieser ganzen Partie ist bei der vor mehreren Jahren neu hergestellten Bruderseggkapelle auf der südwestlichsten Spitze des ganzen Sausal´s. Man hat außer den freundlichen Abteilungen des Temelkogels von hier den Überblick des in unmittelbarer Nähe liegenden, mit zahlreichen Ortschaften besetzten Sulm- und Saggatales, des zwischen beiden in niedrigen, mit Reben bepflanzten Hügeln sich ausnehmenden Greuthes, so wie des, südlich vom Saggatal gelegene Eichgebirges. Ganz verschieden jedoch im Vergleich mit vielen anderen Höhen des Sausal´s ist der Charakter der Fernsicht. Der Spiegel- und Kreuzkogel des vordern Sausal´s schließen uns die fruchtbaren Hügel und weiten Ebenen Untersteiermark´s auf, von hier aus aber erscheinen uns die hohen westlichen Grenzgebirge des Radel´s und der "Schwambergeralpen" über ihre zahlreichen, niedrigeren Abstufungen hin, gleichsam terrassenmäßig vor Augen gestellt.

Diese neun Partien umfassen die vorzüglichsten Punkte des sowohl seiner Lage als auch seiner Kultur wegen ausgezeichneten Sausalgebirges.

Beschaffenheit des Bodens

Die Größe des Sausal´s ist bedeutend, denn die Partien desselben sind, wie wir gesehen haben, Bestandteile von den Bezirken Seckau, Waldschach, Harrachegg, Gleinstetten und Arnfels, die mehr oder weniger zu den Pfarren Leibnitz, Langg, St. Nikolai, Kitzegg, St. Andrä, Gleinstetten und Klein gehören.
Die Form dieses Umfangs wäre ein unregelmäßiger, nach verschiedenen Seiten auseinander gezogener Kreis, an dessen Peripherie die Orte Seckau, Langg, Stanzersdorf, die unter dem Spiegelkogel befindliche Schatzmühle, Grötsch, Lamperstetten, Waldschach, St. Andrä, Ottersbach, Fresing und Heimschuh liegen. Diese in der eben bezeichneten Tour zu durchwandern, würde ein rüstiger Fußgänger 11 bis 12 Stunden, ohne sich irgendwo aufzuhalten, "nöthig" haben.
Die höheren Partien des Sausal´s gehören ihrem Hauptstocke nach unstreitig zu den jüngeren Übergangsformation, denn die Grundlage des Temmelkogels, Kreuzkogels, ja selbst des Seckauberges besteht aus einem schieferigen Gesteine von weißlicher, grauer, blauer, auch bräunlicher Farbe und bedeutender Härte, auf welchem die tertiären Gebilde, aus denen die übrigen niedrigen Hügel bestehen, nur aufliegen. Dieses Gestein steht an den Abhängen der Bergreihen nur sehr selten zu Tage, wird aber bei dem Bearbeiten der Weinberge hin und wieder herausgefördert. Es zeigt sich dasselbe mit geringer Verschiedenheit auch in den höchsten Gegenden der windischen Bühel, nämlich im St. Urbaner und Posrucker Weingebirge, unter einer Kalkauflagerung am hohen Platsche, mehr oder weniger rein am Seckauberge und an allen bedeutenden Höhen des Sausal´s. An den letztern bemerke man fast überall, wo sie sich sanft verflachen, eine Auflagerung von Grobkalk, der mit Sand gemischt oder mit Quarzadern durchzogen ist, wie z.B. am Kogel-, Kitten- und Nikolaiberge im vordern, so wie in Pernitsch, Steinbach und Neurath im hintern Sausal. In dieser Auflagerung haben sich bis jetzt 25 bis 30 Arten von versteinerten Muscheltieren und unter diesen sehr schöne Exemplare gefunden. Wen man durch Brudersegg gegen den Temmelkogel aufwärts geht, trifft man auf ein mächtiges Lager von einem rötlichen Sandstein, der aber mürbe ist, wie die sonderbaren Figuren der tief ausgewaschenen Wände und Felsenstücke am tiefen Hohlwege zeigen, auch findet man graue Walkererde in dieser Gegend. Nordwärts unweit von Harrachegg an einem Punkte, der, wie schon bemerkt wurde, eine der schönsten Aussichten in ganz Sausal gewährt, ist ein ausgedehnter Bruch eines weißen, kalkschieferartigen Steines, der als Baustein weit umher benützt wird. Am südlichen Abhange des Kittenberges ist ein mächtiges Lager eines festen Konglomerates, aus welchem Mühlsteine gebrochen werden. Die Auflagerungen überhaupt, so wie alle niedrigen Hügel des Sausal´s sind druchaus Tertiärformation. Von Steinkohlen hat man bisher keine Spuren gefunden. Die Höhen der Berge sind durchweg mit fruchtbarer Erde bedeckt, in den Niederungen aber finden sich, wo die Täler etwas breiter werden, mächtige Tonlager.
Für den Freund der Pflanzenkunde sind die Höhen des Sausal´s viel interessanter als die meisten Gegenden der windischen Bühel, weil an vielen Abhängen der Berge mächtige Kalkauflagerungen vorkommen. Die Anzahl aller bis jetzt in Steiermark bekannten Pflanzen beläuft sich nahe an 1900. Von diesen habe ich in Sausal bereits gegen 450 gefunden; eine Zahl, die nicht viel weniger als ein Viertel im Lande vorkommenden Gewächse beträgt. Erwägt man, daß die an Pflanzenarten reichsten Gegenden eigentlich die Kalkgebirge des Judenburger-, Brucker- und Cillierkreises sind, so erscheint im Vergleich mit diesem das Sausal in botanischer Hinsicht allerdings von einger Bedeutung.
In zoologischer Hinsicht sind die Gegenden des Sausal´s gegenwärtig nicht mehr so wichtig, wie sie es einst waren. Ringsum von fruchtbaren Tälern umgeben, hatte dieses Gebirge im Innern tiefe Wälder, in welche sich früher das zahlreiche Wild, welches von außen herum überall Nahrung fand, bei Verfolgung leicht zurückzog. Gegenwärtig sind diese Wälder durch Zeitverhältnisse gelichtet, die zahlreichen Wildschweine, die hier hausten, sind gänzlich verschwunden; noch aber sind die Zeiten erinnerkich, wo oft bei Sonnenuntergang ein Rudel von 30 bis 40 Hirschen aus dem Sausal hervorbrachen und über die Laßnitz und Sulm setzten, wo dann die Bewohner der angrenzenden Dörfer in bedeutender Anzahl sich erheben mußten, um ihre Felder gegen die Verheerung dieser ungebetenen Gäste zu schützen. Hochwild wurde in großer Anzahl gehegt; das "Tödten" eines Hirschen war dem Todschlage eines Menschen gleich geachtet. Erst Maria Theresia hat das Drückende dieser Jagdrechte aufgehoben. Gegenwärtig beschränkt sich im Sausalgebirg die Jagd auf Hasen, Füchse, einige Dachse und Rehe.
Als Seltenheit findet man in der Gegend Einöd die Steinamsel (turdus saxatilis), dort das "Steinröthel" genannt, und auf den Höhen von Kittenberg und in Gauitsch die Berg- oder vielmehr Baumlerche (alauda arborea), die auf dem höchsten Gipfel der Bäume sitzend, noch im August und September die Gegend mit ihrem lieblichen Gesange erfreut.

Bewohner

Die Bewohner des Sausal´s sind durchaus Deutsche. Im Vordersausal, in so weit dieses zum Bezirke Seckau gehört, unterscheiden sie sich weder durch ihren Dialekt, noch durch ihr sonstiges Aussehen von den Bewohnern des Murtales. In den Bezirken Waldschach und Harrachegg aber trifft man schon den hochstämmigen, schönen Menschenschlag, der im Sulm- und Laßnitztal vorherrscht, so wie auch mehrere Eigentümlichkeiten, die sich sowohl auf die Bekleidung als auch auf die Sprache beziehen, und die die Bewohner des Sausal´s mit denen des Sulmtales gemein haben. In ersterer Beziehung gehört vor Allem hieher der kegelförmige, oben am Gupfe jedoch abgerundete Männerhut mit breitem Rande, durch welchen "der Oberthaler" in ganz Untersteier überall sogleich erkannt wird. Dieser Hut kleidet sehr gut die hohe, schöne Männergestalt, und hat sich unverändert auch noch bei jenen erhalten, welche die kurzen, ledernen Beinkleider mit den weiten Pantalons vertauschten. Eben so eigentümlich sind bei den "Weibern" die aus Stroh geflochtenen Sulmerhüte, welche zuerst in den an das Sausal grenzenden Gegenden des Sulmtales aufkamen, und sich von hier aus weiter verbreiteten. Sie hatten vor zwanzig Jahren noch völlig die Form einer Glocke, gegenwärtig aber sind sie flache, runde Scheiben, die nur in der Mitte für den Kopf einen kleinen Gupf haben, von welchem sie gewöhnlich eine lange Schleife eines breiten Bandes herabhängt. Diese Hüte kommen ihrer Unbequemlichkeit und auch des hohen Preises wegen seit einigen Jahren immer mehr aus der Mode, und weiße, mit Blumen gestickte, oder andere Kopftücher von verschiedener Farbe treten an ihre Stelle.
Ist der Anblick eines wohlgebildeten Menschenschlages in den meisten Gegenden des Sausal´s an sich schon einnehmend für das Auge des Fremden, so werden diese natürlichen Vorzüge bei dem weiblichen Geschlechte noch mehr hervorgehoben durch eine "lobenswerthe Nettigkeit" und Reinlichkeit in der Kleidung, die man allenthalben zu bemerken Gelegenheit hat, wenn man diese Bergbewohner an einem Festtage zu St. Nikolai oder in Kitzegg versammelt sieht.
Wer diese Gegenden seit längerer Zeit kennt, wird ohne Anstand eingestehen, daß es in dieser Beziehung vor 25 Jahren hier noch ganz anders aussah. Nur kann man die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Sucht, die so hübsche ländliche Kleidertracht mit der städtischen zu vertauschen, wohl zu sehr um sich greift.
Die Sprachen ist in den Gegenden des hintern Sausal´s rauher als in den Ebenen des Murtales, und zwar aus dem einfachen Grunde der größeren Abgeschlossenheit der dortigen Bewohner. Dieser geringe Verkehr mit ihrer Umgebungen ist auch die Ursache ihrer einfachen Lebensweise, so wie der Geradheit und Offenheit ihres Charakters. In der Aussprache ist vorzüglich der Laut des Buchstabens "e" eigentümlich, indem dieser Selbstlaut in allen Wörtern so ausgesprochen wird, wie er in der reinen Conversations- und Schriftsprache in dem Worte See lautet.
Da sehr viele Weingärten des Sausal´s anderweitigen Besitzern gehören, die nicht dort wohnen, sondern nur einige Male unter dem Jahre, oder gar nur zur Weinlesezeit allein dahin kommen, so kann man die "rücksäßigen" Bewohner dieser Gegenden in Bauern, Bergholden und Winzer einteilen.
Die Bauern kommen vorzüglich in den Gemeinden St. Nikolai, Jahring, Texenberg, Schirka, Maxlon, Petzels und Neurath, im Muggenau- und Wöllingtale vor, man findet sie aber auch zerstreut im Gebirge. Sie besitzen Hubgründe, mit denen vielfältig auch Weingärten verbunden sind, jedoch bleibt Ackerbau, Wiesenkultur und Viehzucht die Hauptbeschäftigung. Am besten stehen die Gebirgsbauern, sie haben fast durchaus Wein- und Obstgärten, und meistens sehr hübsche und freundliche Wohnhäuser.
Die Bergholden bilden im Sausal eine ziemlich zahlreiche Klasse. Sie besitzen auf den Anhöhen Realitäten als Eigentum, die bedeutend kleiner sind, als die Hubgründe der Bauern und aus einem Stücke Rebengrund, einem Felde, und bei Vielen auch aus einer Partie Wiesen und Wald bestehen. Ihre Beschäftigung ist Weinbau, Obstkultur und die Bearbeitung ihres Feldes. Sie sind zu ihren Grundherrschaften mit dem Bergrechte, d. i. mit einer feststehenden Abgabe in Wein pflichtig, welche für sie in den Jahren, wo der Wein "mißräth", sehr drückend wird.
Die dritte Klasse sind die Winzer oder eigentlichen Weinpflanzer, die in der Regel keine Grundstücke als Eigentum besitzen, sondern sich mit ihren Familien zur Bearbeitung der Weingärten verdingen. Dafür erhalten sie freie Wohnung und einen bestimmten Lohn in Geld. Ist mit dem Weingarten ein Acker- und Wiesengrund verbunden, so überläßt der Eigentümer dieselben gewöhnlich dem Winzer zur Benützung, dessen Existenz dadurch viel sicherer gestellt ist, weil er sich das "Nöthigste" zum Lebensunterhalte zu Hause selbst erzeugt, während andere bloß auf ihren Lohn und auf das Geld angewiesen sind, welches sie sich noch überdies durch Tagwerke oder auf eine andere Weise verdienen. Gibt es durch Weingartenarbeit keinen Verdienst, so suchen sie sich eine andere Beschäftigung. So z. B. gehen manche Männer nach "Schwamberg" oder gar auf die Koralpe nach Wolfsberg in Kärnten, um dort ungefähr ein halbes hundert aus schwarzer Erde verfertigte Töpfe (Häfen) zu holen. Diese werden auf ein leichtes, aus Stäben zusammengefügtes Gestell gepackt, auf dem Rücken bis in die Dörfer des Murtales getragen, und dort verkauft. Der unbedeutende, davon abfallende Gewinn ist der Taglohn dieser sogenannten Häfenträger. Manche tauschen für diese Geschirre Mehl, Grütze und andere Lebensmittel ein. Andere begeben sich zur Zeit des Schnittes, des Mähens, der Flachsarbeit, wo gewöhnlich keine Hauptarbeit in den Weingärten zu besorgen ist, in die, ostwärts von der Mur gelegenen zahlreichen Dörfer, arbeiten dort, und nehmen Getreid oder Flachs statt des Geldes als Arbeiterlohn. Im Winter verdingen sich die Jüngeren und Stärkeren dort als Drescher, während die Älteren zu Hause sich mit der Verfertigung verschiedener, zur Landwirtschaft erforderlicher hölzerner Gerätschaften und mit den Korbflechten beschäftigen. Man findet zu diesem Behufe in Baumgärten an feuchten Stellen häufig die gelbe Bandweide (salix viminalis) angepflanzt, deren schlanke Zweige sich leicht spalten lassen, und unter den Namen "der Schienen" das beste Bndungsmittel für Strohkörbe abgeben.
Die Weiber besorgen in Abwesenheit der Männer die leichteren Arbeiten in den Weingärten, besonders das Aufbinden der Reben an die dazu gehörigen Pfähle, so wie auch das "Blößen" oder Reinigen der Weingärten vom Grase und Unkraut. In der Zwischenzeit beschäftigen sich viele mit dem Flechten der Strohhüte; andere geben sich mit der Verpflegung und Erziehung von Waisenkindern ab, die ihnen gegen eine Bescheinigung des Ortspfarrers, daß sie ehrliche Leute und in einer bestimmten Gemeinde ansäßig sind, aus dem Findelhause der Hauptstadt zur Erziehung anvertraut werden. Die Aufsicht darüber führen die Herren Bezirksärzte. In Sausal findet man viele solcher Kinder, um die sich ihre, oft in glücklichen Vermögensumständen befindlichen Väter oder Mütter leider gar nicht bekümmern. Unter einer einfachen Pflege und in der reinen Luft wachsen doch die meisten zu gesunden starken Menschen auf. So traf ich vor einiger Zeit in der Gemeinde Gauitsch am Wege vor einem Hause mehrere Kinder, unter denen mir ein, beiläufig dreijähriger Knabe durch sein besonders gutes Aussehen vor den übrigen auffiel, so daß ich um seinen Namen fragte. "Ist ein Waisenkind," sagte eine Weibsperson, die eben aus der Stube trat. Sie machte dazu noch die Bemerkung, daß sie über das gute Aussehen des Kindes sich selbst freue, weil man daraus entnehmen könne, es gehe ihm nicht schlechter, als ihren eigenen. Wer es bedenkt, wie gering die für eine solche Verpflegung bemessene Entlohnung ist, muß wirklich die Aufopferung bewundern, mit welcher diese Winzerweiber sich der armen Kleinen annehmen.
Die physische Erziehung hat sich hier in der neuern Zeit sehr viel, und zwar zum Bessern geändert. So z. B. kann und muß man es nur einer besseren, von Kindheit auf beobachteten Pflege des Körpers zuschreiben, daß die, noch vor dreißig Jahren in einigen Gegenden des Sausal´s zahlreich vorkommenden Kröpfe sich außerordentlich vermindert haben. Trifft man hin und wieder noch einige mißgebildete Geschöpfe, so sind deren nur wenige, und diese nicht unter die eigentlichen "Cretins", sondern nur unter die "Blödsinnigen" zu zählen.
In dem Verhältnisse, als richtigere Ansichten sich unter dem Volke verbreiten, und die Pflege des Körpers naturgemäßer betrieben wird, in eben dem Maße wird bei der erwachsenden Jugend dann gleichfalls für den nötigen Unterricht gesorgt. Auch in dieser Beziehung bleiben die Bewohner des Sausal´s vor andern ihrer Umgebung nicht zurück. Bei jeder Pfarre besteht eine vorschriftmäßig eingerichtete Schule, zu deren Besuch die Kinder angehalten werden. In der weit ausgedehnten Pfarre Leibnitz wurden überdies seit zwanzig Jahren der zu weiten Entfernung wegen noch vier Gemeindeschulen errichtet, von denen zwei auch von Kindern aus den Gegenden des vordern Sausal´s zahlreich besucht werden.

Weinbau

Die wichtigste Beschäftigung im Sausalgebirge ist, im Ganzen genommen, der Weinbau. Da die meisten sonnseitigen Abhänge der Bergreihen mit Reben bepflanzt sind, so kann man mit Inbegriff der neuen Anlagen gegenwärtig im ganzen Gebirge bei 1400 Joch Rebengrund annehmen, die im mäßigen Durchschnitte jährlich ungefähr 35000 österr. Eimer Wein liefern.
Die Zeit, wann hier der Weinbau begonnen hat, läßt sich nicht genau ermitteln, weil alle jetzt bestehenden Zehent- und Bergrechtsregister viel später errichtet worden sind. Daß man in den Gegenden von Luttenberg, Radkersburg und in den, an dieselbe grenzenden windischen Büheln den Weinstock früher pflanzte, als hier, unterliegt keinem Zweifel, weil der Weinbau überhaupt von den wärmeren Gegenden aus aufwärts seit dem vierten Jahrhundert in der heutigen Steiermark vorrückte. Merkwürdig bleibt es jedoch, daß man im Sausal, obwohl sparsam verbreitet, Rebenformen vorfindet, die zu den edelsten gehören, wie z. B. den "Risling" (Rheinriesling), den blauen Klevner (Pinot Noir, Blauburgunder), den rothen Traminer u. a. Da sie im übrigen Weingebirgen Steiermark´s bis in die neueste Zeit auch wenig oder gar nicht "cultivirt" wurden, so müssen sie ursprünglich aus dem Auslande bezogen worden sein.
Die meisten Weinpflanzungen entstanden im Sausalgebirge wahrscheinlich während des siebenzehnten und der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Die Anlegung derselben ging aber nur nach und nach vor sich, so wie die Grundanteile von den Herrschaften unter der Bedingung der Bergrechtspflichtigkeit losgeschlagen wurden. Waren doch die freundlichen Rebenhügel, welche nördlich die Stadt Marburg umgeben, um das Jahr 1670 noch mit dichten Wäldern besetzt.
Der Sausaler Weinbau ist bei der großen Ausdehnung des Gebirges der Qualität nach sehr verschieden, in Steiermark jedoch zur Genüge bekannt. Er gehört zu den leichteren, daher der Gesundheit mehr zusagenden Sorten. Das beste Gewächs in Vordersausal, und der Stärke nach unstreitig das vorzüglichste im ganzen Gebirge ist der Kittenberger; die lieblichsten in Hintersausal sind die Weine von Gauitsch und Steinbach, dann folgen die Gewächse von der Einöd, vom Geisriegel und Edelschuh. Sehr geschätzt sind die "rothen" Weine von der Einöd und von Brudersegg.
Der Weinbau steht im Sausal bei weitem nicht auf der Stufe, auf die er gebracht werden kann. Eine Folge davon ist, daß auch das Erträgnis in eben dem Verhältnisse zurück bleibt. Man findet zwar viele Weingartenbesitzer, die Alles anwenden, um ihre Rebengründe in den gehörigen Stand der Kultur zu setzen. Die größere Zahl der Bauern- und Bergholdenweingärten steht jedoch in der Bearbeitung weit zurück. Die Ursachen davon sind teils der bei Vielen durch widrige Zeitverhältnisse gesunkene Wohlstand überhaupt, teils bei den Bauern mangelnde Sinn für Verbesserung. Eine Folge des ersteren ist der zu geringe Viehstand, der zur Erzeugung des für die Äcker und Weingärten erforderlichen Düngers nicht hinreicht; die Gleichgültigkeit Vieler gegen Verbesserungen aber ist Ursache, daß sie sich nicht bestreben, die Düngererzeugung auf eine andere Weise nachzuhelfen, oder die schlechteren Rebensorten in ihren Weingärten mit besseren zu vertauschen.
Nur auf die letztere Art kann dem Weinbau im Sausal am besten geholfen werden. Zehn bis fünzehn Arten von Reben stehen oft in einem Weingarten und darunter am meisten solche, die den geringsten Wein liefern. Die im Luttenberger-, Radkersburger- und Pickerergebirge vorherrschende Moslerrebe ist im Sausalgebirge noch völlig unbekannt; man hat erst in den letzten Jahren an einigen Orten ihre Auspflanzung versucht, und das Ergebnis fällt nicht ungünstig aus. Vor zwanzig Jahren dachten hier noch wenige daran, daß es der Mühe wert sei, einen tragbaren Stock auszurotten, um einen besseren an seine Seite zu setztn. Da gerade die schlechteren Sorten für die ungünstigen Witterungsverhältnisse weniger empfänglich sind und am meisten ins Holz gehen, so wurden sie von den Winzern, die nur nach dem, was sie von Jugend auf gesehen haben, arbeiten, auch am meisten durch das Gruben vermehrt.
Diese geringen Rebensorten müssen, wenn der Weinbau sich heben soll, ausgerottet, und durch edlere ersetzt werden. Um nun bessere Arten in solcher Menge zu erzielen, daß dieser Ersatz auch für die minder Bemittelten möglich wird, ist die Anlegung von Rebenschulen der geignetste Weg. Jeder Weingartenbesitzer kann zur Schnittzeit aus seinem eigenen Weingarten jene Reben auswählen, deren Früchte früher reifen oder einen besseren Wein ergeben, um sie in den Boden der Rebenschule, wozu jeder Ackergrund tauglich ist, einzulegen. Es ist aber, um einen auszurottenden Weinstock zu ersetzen, nicht einmal notwendig, lauter bewurzelte Setzlinge zu haben; die sogenannten Schlüssel oder unbewurzelten, nur mit einem Stück alten Holzes versehenen Schnittreben leisten einen gut zugerichteten Boden das Nämliche. Zwar ist das Ansetzen dieser Schlüssel, so wie die Anlegung einer Rebenschule in vielen Gegenden des steirischen Weinlandes für die älteren Winzer etwas Ungewöhnliches und Neues. Viele der Jüngeren haben sich aber bereits damit bekannt gemacht, und auch im Sausal gibt es mehrere Musterweingärten, deren Besitzer mit ermunterndem Beispiele vorangehen.
Eine Winzerschule, die man vor zehn Jahren zur Emporbringung des Weinbaues in Vordersausal zu gründen suchte, ist bald wieder eingegangen. Die Sache fand nicht den entsprechenden Anklang, weil man sie zu theoretisch betrieb.
Eine eigene Art, das Weinerträgniß zu erhöhen, besteht in Sausal in dem Anlegen von Rebengeländen. Man nennt sie hier Hecken. Eine Art derselben ist ganz einfach. Man pflanzt an den Rainen der Äcker Weinstöcke, und steckt zu jedem derselben einen abgehauenen Baumast von beträchtlicher Höhe. An den Zweigen desselben ranken dann die Reben in größter Unordnung hinauf. Da sie im Frühjahre wenig oder gar nicht geschnitten werden, so setzen sie zwar zahlreiche Trauben an, die aber kleinbeerig bleiben und gar nicht gediegen sind, sondern vielfältig den Früchten des wildwachsenden Weinstockes gleichen. Diese Art ist in den Bezirken Arnfels und Trautenburg, so wie hin und wieder im Obertale gewöhnlich, wo man besonders die unter den Namen des Wildbachers bekannte Rebe so behandelt. In Sausal pflegt man von dieser Methode immer mehr ab, und zu den zusammenhängenden Hecken überzugehen. Man setzt nämlich am Rande der Äcker die Reben in Reihen, und sobald sie stark und hoch genug gewachsen sind, ieht man längs dieser Reihen von starken Pfählen getragene Schranken, über welche die Reben nach der Laudenbacher Art geleitet werden. Die aufwärts gehenden Triebe derselben werden im Frühjahre regelmäßig auf eine bestimmte Zahl Augen geschnitten, und liefern dann viel größere und ausgewachsene Trauben. Sehr freundlich nehmen sich die Äcker aus, die an zwei Seiten mit solchen lebendigen Zäunen, von denen die schönsten weißen und blauen Trauben herabhängen, umgeben sind.

Obstbau

Außer dem Weinbau gehört auch die Obsterzeugung zu den Beschäftigungen der Bewohner des Sausal´s. Wenn dieser Erwerbszweig nicht auf der hohen Stufe steht, wie im mittleren Grätzerkreise, so ist doch das Sausalgebirge im Marburgerkreise unstreitig zu jenen Gegenden zu zählen, wo derselbe am weitesten vorgeschritten ist. Wer sich davon überzeugen will, der mag nur in einem obstreichen Herbste die Gegenden Kittenberg, Flamberg, Mitteregg, Hochegg, Gauitsch, Kitzegg und die Umgebungen von Harrachegg durchwandern. Am zahlreichsten sind hier die Äpfel- und Birnbäume verbreitet. Da zur Zeit ihrer Fruchtreife im September ebenfalls die Trauben genußbar werden, so gewährt ein Besuch des Sausalgebirges in diesen Tagen den größten Genuß. Die veredelten Apfelbäume stehen häufig an den Wegen, und erfreuen mit ihren roten und gelben Früchten das Auge, oder sie bilden an den Bergabhängen, wo sie reihenweise gepflanzt sind, ausgedehnte Anlagen. Unter den Birnbäumen sind die der Mostbirnen am häufigsten. Sie wachsen sehr langsam, werden aber sehr groß und ungemein alt. Ihre Früchte werden teils getrocknet, größtenteils aber zur Mostbereitung verwendet.
Gleich dem Apfel- und Birnbaum kommt im Sausal auch der Zwetschkenbaum überall vor. Man pflegt hier in guten Jahren immer einen Teil seiner Früchte aufzutrocknen, und sie nicht sammt und sonders in die Branntweinbrennereien zu liefern; eine Gewohnheit, die sich für jede Haushaltung als auffallend nützlich bewährt.
In den Weingärten oder an den Schlägen derselben steht in Sausal auch ziemlich zahlreich der Quittenbaum (Pyrus cydonia). Er wächst in Form eines Gebüsches über zwei Mann hoch. Die Früchte werden bedeutend groß, haben einen lieblichen Geruch, und gewähren zur Zeit ihrer Reife durch die hochgelbe Farbe zwischen dem dunkelgrünen Laube gleich den Orangen einen sehr schönen Anblick.
Etwas seltener ist der Mispelbaum (Mespilus germanica). Man pfropft ihn gewöhnlich auf den Mehlbeerstrauch (Crataegus vulgaris), wo er dann größere und saftigere Früchte bringt, die aber erst spät im Oktober zur Reife gelangen.
Die Pfirsichbäume, die vor einiger Zeit in den Weingärten sehr zahlreich waren, werden gegenwärtig sehr vermindert, weil die zu große Anzahl derselben den Boden entkräftet und dem Weinerträgniß Abbruch tut; doch soll man auch hierin das rechte Maß nicht überschreiten, weil diese Bäume sehr gesunde und schmackhafte Früchte leifern, die nicht nur frisch genossen, sondern auch getrocknet gut verwendet werden können.
Besonders freundlich nehmen sich in Sausal die schattigen, hohen Nuß- und Kastanienbäume aus, die außer diesen Gegenden in Untersteier nur im Pickerergebirge wieder so häufig vorkommen. Die Nußbäume, deren Früchte teils zur Ölbereitung benützt, teils, wie die Kastanien nach Obersteier verführt werden, pflanzt man ihres ausgebreiteten Schattens wegen gerne an den Häusern, die Kastanienbäume aber stehen mehr unter den Weingärten am Anfange der Wälder. Leider werden sie, weil die Eichen nicht mehr zureichen, ihres festen Holzes wegen zu Pfählen und verschiedenen Zeugarbeiten verwendet, und dadurch etwas zu sehr vermindert. Noch mehr ist dieses seit einigen Jahren mit den Nußbäumen der Fall, seitdem herumreisende Holzhändler die im kräftigsten Wuchse stehenden Stämme auf Rechnung der Kunsttischler aufkaufen. Es werden vorzüglich schöne Bodenstämme gesucht, die ihrer Fladerzeichnungen wegen das Material zu feinen Arbeiten, und somit auch zu der zierlichen Holzmosaik liefern. Man ist zwar bemüht, junge nachzupflanzen, allein beinahe ein Jahrhundert ist erforderlich, bis sie zur gehörigen Höhe und schattenreichen Ausbreitung kommen.
Ein hohler Nuß- oder Kastanienbaum, die vor dreißig Jahren noch so häufig waren, ist jetzt fast eine Seltenheit. Eine Folge davon ist, daß viele Vögelgattungen, die von Natur aus angewiesen sind, daß viele Vögelgattungen, die von Natur aus angewiesen sind, in hohlen Bäumen ihre Nester zu bauen, aus diesen Gegenden weg und dorthin ziehen, wo sie zur Brutzeit den für geeigneten Aufenthalt finden. Dieses ist mitunter ein Grund der im Frühjahre so sehr nehmenden Raupenvermehrung. Denn während die Zahl der Obstbäume sich seit zwanzig Jahren sehr vermehrt hat, wodurch im gleichen Grade auch die Möglichkeit der Raupenernährung gesteigert wird, hat sich die Zahl derjenigen Vögel, die ihre von Natur aus bestimmten Vertilger sind, vermindert. Bei der Raupenverminderung durch Vögel ist nicht so sehr das Vertilgen der schon lebenden Würmer, als vielmehr das Verzehren der Raupeneier den ganzen Winter hindurch in Betracht zu ziehen. Manche Vögel, wie z. B. die Pfannenstielmeise leben beinahe davon; auch ist es augenscheinlich, daß ein Vogel an einem Tage wohl hundert Mal mehr Eier aufzuzehren im Stande ist, als später lebende Raupen, die am Zweiten Tage nach dem Auskriechen schon bedeutend gewachsen sind. Deswegen sehen wir, wenn alle diese Eier bleiben, und die Frühlingswitterung ihrer Entwicklung günstig ist, das Gewürme plötzlich in solcher Menge hervorkommen, daß alle bisherigen Anstalten zu dessen Vertilgung sich unzureichend erweisen, bis die Natur selbst dem Übel Schranken setzt, und durch ungünstige Witterungsverhältnisse schnell viele Millionen "tödtet", ehe sie die Schmetterlingsentwicklung erreichen, und wieder Eier zu legen im Stande sind.

Forstkultur

So ausgedehnte Waldungen das Sausal einst hatte, so sehr fängt gegenwärtig der Holzmangel an fühlbar zu werden. Am meisten bewaldet sind noch die Gegenden Zwischen Flamhof und Kitternberg, zwischen Kittenberg und Steinbach, der Kogel-, Wölling- und Zeitschachgraben, so wie die Umgebungen von St. Andrä. Ganz abgestockt werden jetzt nur mehr wenige Strecken, um sie in Acker- oder Rebengrund zu verwandeln, weil dieses, soweit es tunlich war, bereits überall geschehen ist, in den noch bestehenden Wäldern aber sind die hohen, ausgewachsenen Stämme völlig ausgeschlagen, und der Nachwuchs wird nur mit wenigen Ausnahmen dem natürlichen Anfluge überlassen. Hierin liegt das Hauptgebrechen, in dessen Hinsicht eine Nachhilfe dringend noch tut. Wird in einem abgestockten Waldanteile nicht sogleich Holzsame nachgesät, so wuchert in kurzer Zeit auf dem Boden das Dornengebüsch, und saugt ihn aus; auch werden die wenigen durch natürlichen Anflug entstehenden Baumpflanzen unter demselben vielfältig erstickt. Diejenigen, welche dennoch aufkommen, sind gewöhnlich von verschiedener Art, und wachsen, weil jede derselben andere Bestandteile des Bodens sich aneignet, auch ungleich. Wird überdies, wie es bei Holzschlägen des vielen Grases wegen gemeinglich der Fall ist, noch öfters Vieh aufgetrieben, und dadurch der junge Nachwuchs an den Gipfeln beschädigt, so ist von solchen verstümmelten Gewächsen in keiner Zeit mehr ein ordentlicher Baum zu erwarten.
Eine bessere Gebahrung mit dem Holze wird hier umso dringender, weil die weite Fläche des Leibnitzerfeldes von Wäldern ganz entblößt ist, und die zahlreichen auf demselben befindlichen Dörfer, so wie Leibnitz selbst ihren Holzbedarf fast durchaus nur aus dem Sausal und den an daselbe grenzenden Gegenden beziehen.
Abgestockte Waldanteile sind demnach, noch ehe der Boden durch Unkraut entkräftet wird, mit Holzsamen zu besäen, und zwar so, daß man zwischen Laub- und Nadelholz eine schickliche Einteilung treffe, indem ersteres als Brennstoff sehr wichtig ist, und durch die Wald- und Hackstreu der Düngeerzeugung aufhilft, letzteres aber als Bauholz durchaus nicht entbehrt werden kann.
Außer dem Holzmangel, der für diese Gegenden der größte Nachteil ist, können aus der zu rücksichtslosen Verminderung der Wälder noch andere Veränderungen hervorgehen. Wenn nach den Berichten der Alten das Klima von Deutschland s rauh war, daß, wie Tacitus bezeugt, damals kein Obstbau fortkam, so war dies unstreitig den ungeheuren Wäldern zuzuschreiben, mit denen das Land von einem Ende bis zum anderen bedeckt war. Durch die, dem größten Teile nach erfolgt Ausrottung derselben ist die Gegend milder, der Himmel heiterer, und der Boden für den Grad der gegenwärtigen Fruchtbarkeit empfänglich geworden; denn da der Beobachtung zufolge die Wälder einen großen Einfluß auf den Wasserbildungsprozeß in der Luft haben, so muß das Vermindern derselben ein Trocknerwerden der Atmosphäre unmittelbar nach sich ziehen. Zur wahren Fruchtbarkeit einer Gegend ist jedoch ein bestimmter Grad an Feuchtigkeit und Trockenheit der Atmosphäre erforderlich. Es frägt sich demnach, ob durch zu vieles Aushauen der Wälder diese bestimmte Grenze nicht überschritten, und so die Fruchtbarkeit der Gegend eben dadurch beeinträchtigt werden könne?
Durch vielseitige Beobachtungen ist es erwiesen, und aus natürlichen Gründen auch leicht erklärbar, daß in Gegenden, wo weite Waldstrecken ausgeschlagen werden, viele Quellen versiegen. Dieses hat dann zur Sommerszeit das völlige Vertrocknen mancher Bäche zur Folge.
Eine andere, in landwirtschaftlicher Beziehung sehr beachtenswerte Erscheinung, von der man behaupten will, daß sie auch durch Verminderung der Wälder bewirkt werde, ist die einen mehr schädlichen Einfluß annehmende Beschaffenheit der Gewitter. Aufmerksame Landleute wollen bemerken, daß mehrere Gegenden in Untersteier, in denen früher kaum alle zwanzig Jahre einmal ein Hagelwetter vorkam, jetzt alle zwei bis drei Jahre von diesem Unglücke heimgesucht werden, seitdem man die hohen "Schwambergeralpen" immer mehr von den alten, tiefen Wäldern entblößt. Gegen die Möglichkeit dieses Vorganges läßt sich nichts einwenden; die Beobachtung desselben muß aber genauer "constatirt" sein, bevor sich Weiteres darüber sagen läßt.

Der Sausal als Landschaft

Für den Freund ausgezeichneter Landpartien hat das Sausal ein hohes Interesse. Es führen in diese Gegenden mehrere wohlgebaute Straßen. An der Westseite des ganzen Sausal´s zieht sich die vielbefahrene Straße hin, welche von "Grätz" über Preding und Eibiswald die Verbindung mit Kärnten herstellt; an der Ost- und Südseite aber läuft der Straßenzug, der sich im Leibnitzerfelde von der Hauptkommerzialstraße trennt, und durch das Sulmtal hin bei Gleinstetten sich mit der vorigen verbindet. Durch beide gelangt man nur an den Fuß des Gebirges, in die verschiedenen Verzweigungen desselben führen zahlreiche Fahr- und Fußwege.
Der nächste Weg von der Hauptstadt "Grätz" in das Sausal wäre freilich, wie schon bemerkt wurde, der von Wildon oder Neudorf über Lichendorf und Grötsch nach St. Nikolai, und von da über Mitteregg auf den Temmelkogel. Allein einen weit größeren Genuß gewährt der Besuch des Sausal´s vom Sulmtale aus. Um die interessanteren Punkte Vordersausal´s zu sehen, würde man am besten tun, von Leibnitz oder Seckau durch das Sulmtal sich über Muggenau und Niederkittenberg auf die Abteilungen von Hochkittenberg zu begeben. Von da wäre die Richtung über die Höhe von Haselbrunn auf den Kreuzkogel zu nehmen, wo es am besten ist, in den späteren Stunden eines heiteren Nachmittag´s einzutreffen. Die Rückkehr vom Kreuzkogel geht unter der Höhe von Haselbrunn durch Kainberg und fie Streßnitz, wo wieder ein sehr schöner Punkt ist, nach Leibnitz. Dieser Ausflug kann leicht in einem Nachmittage bewerkstelligt werden.
Viel großartiger ist aber folgende Tour durch Hintersausal. Von Leibnitz durch das Sulmtal nach Heimschuh, und dann durch die interessante Einöd und den Steinriegl aufwärts nach Kitzegg. Von da macht man einen kleinen Abstecher nach Hochgauitsch, nimmt dann den Weg über Langriegl, Geisriegl, Hinteregg, Wolfleiten und Kalchriegl auf den Temmelkogel, wo man aber, um den wahren Genuß der schönen Aussicht zu haben, noch Vormittags eintreffen muß. Die Rückkehr vom Temmelkogel geht über Harrachegg, Hochsausal und Kreuzegg über die Höhe von Mitteregg durch die sanfte Abdachung der Voregg´s in das Muggenautal, von wo aus man nordwärts nach St. Nikolai, südwärts in das Sulmtal, uns ostwärts auf die Höhen des Vordersausal´s gelangt. Ein schöner Sommer- oder Herbsttag würde auf diese Weise gewiß sehr angenehm zugebracht werden. Da in den wenigen, im Gebirge vorkommenden Wirtshäusern außer dem Getränke nichts zu haben ist, so ist es am "rathsamsten", die nötigen Erfrischungen mitzunehmen. Will man vom Sulmtale aus unmittelbar den Temmelkogel besteigen, so führt vom Dorfe Fresing der nächste Weg durch die Gegend Altenberg, eine bequemere aber durch Brudersegg dahin.
Der Standpunkt von Jerusalem in Luttenberg hat einen wunderschönen Prospekt in die Ferne, er gibt in den nahen Umgebungen ein liebliches Bild einer hoch kultivierten Landschaft; doch ist diese Kultur mehr einförmig, weil das Auge in dem weiten Umkreise durchaus nur niedrige Rebenhügel und Weingärten vor sich hat; im Sausal hingegen zeigt sich überall die angenehmste Abwechslung. Wein- und Obstgärten, Felder und Wiesen, Nadel- und Laubhölzer, niedere Winzerwohnungen und ansehnliche, gemauerte Bauern- und Weingarthäusern liegen an den langgedehnten Bergreihen in bunter Mischung durcheinander.
Ein weiterer Unterschied zwischen den freundlichen Höhen der windischen Bühel, wie z. B. St. Anna am Kriechenberg, Maria in Wölling, Kapellen bei Radkersburg und Jerusalem in Luttenberg sind, und dem Sausalgebirg besteht in der Höhe. Kapellen liegt 696, Jerusalem 1081, und maria in Wölling 1278 Fuß über der Meeresfläche; der Kreuzkogel in Vordersausal hingegen erreicht 1578, und der Temmelkogel in Hintersausal gar 2124 Fuß. Zwischen beiden liegen die Bergkuppen von Kittenberg, Mitteregg, Gauitsch, Kitzegg und Steinriegl, die alle dem Kreuzkogel an Höhe gleichkommen oder ihn übertreffen. Von jeder derselben steht daher dem Auge ein viel umfassenderes Prospekt in die weiten Umgebungen offen, als dieses von den Höhen der windischen Bühel der Fall ist. Zudem sind diese Höhen an ihrer Südseite ganz hinauf mit Reben besetzt, haben jedoch von dem Früh- oder Spätfrost sehr selten etwas zu leiden; die Folgen desselben werden nur in den Niederungen bis zu einer bestimmten Höhe hinauf sichtbar. Selbst in einem sehr strengen Winter herrscht auf diesen Bergen immer eine gemäßigte Temperatur.
Auf diese Art erhält das ganze Sausal den Charakter eines freundlichen Weingebirges, indem es durch seine bedeutenden Berge und tiefen Täler hin und wieder an das romantische streift, durch seine Weingärten, Obstpflanzungen, Wiesen und Felder sich aber zugleich dem Bilde einer abwechselnden, wohl "cultivirten" Landschaft nähert.

Lage und Oberflächenformen

Westlich vom Leibnitzer Feld und 13 bis 17 km vom Gebirgsrand der Koralpe bei Schwanberg und Deutschlandsberg entfernt, ragt eine kleine Gebirgsscholle zwischen Sulm und Laßnitz auf - der Sausal. Er ist ein Vorposten der Alpen mit sehr schönen Blicken auf den weiten Bogen des altkristallinen Steirischen Randgebirges mit seinen langgestreckten Rücken und Kämmen, auch sieht man von dort gut die abwechlungsreich geformten Kalkberge des Grazer Berglandes, weiters überblickt man die breiten Murfelder und die nach Osten zu niedriger werdenden Riedel- und Hügelwellen des oststeirischen Grabenlandes. Diese Sausalscholle bietet nicht nur einen günstigen Aussichtspunkt, sondern weißt, was die Kulturlandschaft betrifft, viel Beachtliches auf. Dazu kommen die Sonderzüge des Klimas, die vor allem den Anbau anspruchvollerer Rebsorten erlaubt.

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Der Sausal im Mittelalter "forestum Susel, Sousel oder Sawsal" genannt, ist dazu eine Gegend, in der der Gang der Jahreszeiten einen besonders reizvollen Wechsel im Landschaftsbild hervorzaubert. In der Zeit der Baumblüte und während der Obsternte und Weinlese mit den flammenden Laubwäldern, ist der Blick auf das noch oder schon wieder beschneite Randgebirge am großartigsten, das sind Hochzeiten unserer Gegend.

Nicht das ganze Gebiet gehört den Schiefern des Paläozoikums an, im Osten und Norden und auch im Westen treten jungtertiäre, meist Mergel, Sande, Tone und Konglomerate, im Norden und Osten auch Leithakalke auf, die aber nur ein beschränktes Areal einnehmen. Das paläozoische Grundgebirge hat die Form eines nach Norden gerichteten Keiles, der bei Grötsch an der Laßnitz ausstreicht. Er besteht aus Grünschiefern, Phylitten und Serizitschiefern. Alle Sausalschiefer zeichnen sich durch starke Verwitterung und damit beträchtlicher Bodenbildung aus.

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Der Hochsausal, der im Demmerkogel 670 m Höhe erreicht und um fast 400 m die Sulmtalsohle bei Fresing (283 m) überragt, ist mit bis über 20 Grad steilen Hängen stark zerschnitten. Talsohlen fehlen bis auf das Muggenautal ganz. Auf den Höhen überwiegen Riedel, über die man in Absätzen zu den höchsten Kammfluren ansteigt. Kleine Sporne sind im Zentralteil häufig. Höhere Rücken ziehen südlich Mitteregg vom Mandelkogel (596 m) über Kreuzegg zum Demmerkogel und östlich davon über den Gaißriegel (567 m) nach Kitzeck (564 m). Die höchsten Erhebungen sind Kuppen, die das Kammniveau nur wenig überragen.



Klima und Vegetation

Klimatisch ist der Sausal sehr begünstigt und gehört gleich den sehr warmen Gebieten um den Neusiedlersee, dann denen im südlichen Burgenland und denen des Wiener Beckens zu den wärmsten Teilen österreichs. Dabei muß man berücksichtigen, daß die Neusiedlergegend nur 115-150 m hoch ist und die tiefen Teile des Wiener Beckens sich zwischen 160-260 m halten, während die Basis des Sausals schon bei 270-280 m Höhe beginnt. Eine besondere Gunst im Sausal genießen die Südhänge und Riedel. Die Klimagunst zeigt sich vor allem in der Vegetation, es gibt recht bunt gemischte Laubwälder mit Buchen und Eichen. Die Buntheit erhöhen Nadelholzpartien, besonders fallen Föhrenschöpfe auf trockenen und mageren Boden auf. Von dem milden Winter- und warmen Sommerklima kündet aber noch stärker die Kulturlandschaft mit ihrem vielen Edelobst und den zahlreichen Weingärten.

Der Sausal als geschichtliche Landschaft

Seit wann im Sausaler Berglande überhaupt schon Menschen gelebt haben, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Sicher ist nur, daß dies schon in der ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt der Fall gewesen ist. In dieser Zeit, da unser Heimatland als ein Teil der großen Provinz Norikum zum römischen Weltreiche gehört hatte, war das Sausaler Bergland bereits dicht besiedelt gewesen.Vor allem in seinen breiten Talfurchen, wie der Muggenau (Talschaft St. Nikolai i. S.) und des Süßentales (Talschaft St. Andrä i. S.), wie dies die dort heute noch vorhandenen und ausgedehnten Bereiche sogenannter "Heidengräber" verraten. Aus den daraus zutage gekommen Funde zeigte sich, daß die damals romanische Bevölkerung dieses Berglandes durchaus Anteil an der Kultur der Römerzeit (16 v. Chr. bis 395 n. Chr.) gehabt hatte, was bei ihrer Zugehörigkeit zum Stadtgebiete von Flavia Solva, der Vorgängerin der heutigen Stadt Leibnitz, ganz begreiflich ist.

Wie es aber sonst im Sausal zur Römerzeit ausgesehen haben mochte, läßt sich heute im einzelnen nicht mehr sagen. Mit dem Zusammenbruch des Römerreiches und in den Jahrhunderten der Völkerwanderungszeit ist ja auch in diesem Berglande die romanische Bevölkerung und alles, was sie hier geschaffen hatte, zugrunde gegangen. So ist Bergland wieder öde und wüst geworden, an Stelle einstigen Kulturlandes breitete sich wieder der Wald aus.

Neues Leben ist in den Sausal erst wieder gekommen, als er gegen Ende des 6.Jahrhunderts n. Chr. neu besiedelt wurde. Von der Murebene her und durch das Sulmtal aufwärts wanderten die slawisch sprechenden Karataner in das Bergland ein, um sich hier als einfache Bauern niederzulassen. Vor allem in den waldfreien Tälern, wie der Muggenau, der Wölling oder im Bereiche der später so bezeichneten "Sussinteller" (Süßentäler). Diese neue Bevölkerung hat dann in den folgenden Jahrhunderten den Bergen und Bächen im Sausal auch jene Namen gegeben, die sich hier vielfach bis heute, wenn auch in veränderter Form, erhalten haben. Diese ältesten Gegend- und Gewässernamen des Sausals sind auch die einzigen Zeugen aus seiner karantanischer Epoche, die erst mit der Eingliederung ganz Karantaniens in das deutsche Königreich seit Mitte des 10.Jahrhunderts zu Ende gegangen ist. Damit beginnt nun auch die eigentliche Geschichte des Sausals.

Im Jahre 970 hat Otto I. in seiner Eigenschaft als deutscher König und Landesherr der neugegründeten Karantaner- oder Kärntnermark den ganzen ihm zugehörenden Landstrich zwischen Sulm und der Laßnitz, angefangen von der Murebene bis auf die Höhe der Koralm, dem Erzbistume Salzburg in der Person seines Erzbischofes Friedrich geschenkt. Darunter befand sich auch der "Wald Susil", der dann 977 genauer als der "Forst Susel" erläutert wird. Mit dieser recht kargen Bezeichnung war damals das ganze Berg- und Waldland zwischen Sulm und Laßnitz von der Murebene westwärts bis in die Gegend von St. Andrä, wenn nicht noch weiter hin genannt. Was sein Name "Susil, Susel", im Laufe der Zeit dann zu "Sausal" gewandelt, jedoch bedeutet, wie er zustande gekommen, läßt sich nicht mehr sicher erklären.

Der dem Erzbistum geschenkte Landstrich lag nun weitab von der erzbischöflichen Residenz Salzburg und ermangelte so einer Örtlichkeit, von der aus er hätte wirksam verwaltet und beschirmt werden können. Aus diesem Grunde erbauten die Erzbischöfe im 12.Jhdt vor der natürlichen Pforte zum Sausal, am Eingange in das Sulmtal, auf dem dort von der Sulm umflossenen Bergsporn eine Burg. Benannt nach dem zu ihren Füßen gelegenen Orte Libenizze - dem heutigen Leibnitz - war diese Burg (heute Schloß Seggau) zum Mittelpunkt des gesamten steirischen Besitzes Salzburgs bestimmt. Sie diente fortan einem eigenen Burggrafen sowie dem sogenannten Vizedom als Wohn- und Arbeitssitz. Letzterer war der Stellvertreter des regierenden Erzbischofes in dessen Eigenschaft als Landes- und Grundherr seines steirischen Besitztumes und verwaltete so in dessen Namen das "Vizedomamt Leibnitz". Zu diesem gehört auch der gesamte weststeirische Besitz Salzburgs, so daß der Vizedom auch für den Sausal und das Wohl und Wehe seiner Bevölkerung das ganze Mittelalter hindurch verantwortlich gewesen ist.

In den ersten Jahrhunderten der salzburgerischen Herrschaft ist nun im Sausaler Berglande jene ungeheure Pionierarbeit geleistet worden, durch die es erst zur heutigen Kulturlandschaft geworden ist. Im 10.Jhdt. noch ein weites wildreiches Waldland, nur in seinen breiten Tälern von karantanischen Bauern dünn besiedelt, mußten die Erzbischöfe daran trachten, den Sausal zu einer fruchtbaren und ertragreichen Landschaft umzugestalten. Zu diesem Zwecke beriefen sie aus ihren großen Ländereien in Bayern große Scharen bayrischer Bauern und siedelten sie im Sausaler Berglande als Kolonisten ein. Diese Neusiedler bekamen hier Land zugewiesen, um es mit ihrer Hände Arbeit zu roden und urbar zu machen. Dafür anerkannten sie den Erzbischof bzw. seinen Vizedom als ihren Grundherrn und sind so seine Holden geworden. In dieser Eigenschaft gaben sie Zins und Dienst, wie es damals allgemein im herrschenden System der Grundherrschaft üblich gewesen ist. Diese Bauerngeschlechter schlugen in generationenlanger und harter Arbeit den Wald, legten die versumpften Täler und Gräben trocken, nahmen das so neugewonnene Ackerland unter dem Pflug und pflanzten auf sonnigen Berghängen die Weinrebe.

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Daran erinnern heute noch Sausaler Ortsnamen wie Reit, Greit, Neurat (Neuraut), Neudorf, ja manchmal ist in ihnen sogar der Name des ersten Ansiedlers erhalten, wie z.B. im Gegendnamen Petzles (Rodung des Petzlein, vom Taufnamen Pezzili) oder in Matterwinkel (Ansiedlung des Mertein, vom Taufnamen Martin). Auf den Bergen aber künden die zahlreichen Gegend- und Flurnamen auf -berg, -eck, -riegl und -leiten von ihrer Urbarmachung und Besiedlung.

Die Niederlassung der deutschen Bauern im Sausal erfolgte ohne Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerung, mußte sich jedoch in erster Linie der naturgebenden Bodenform anpassen. Das vorherrschende Bergland mit seinen langgestreckten Rücken und Kämmen, zerfurcht von tiefen, engen und steilhangigen Gräben, bot außer im breiteren Muggenauertale keinen Raum für die Anlegung größerer Siedlungen. So mußten die Kolonisten ihre Bauernhöfe einzeln oder in kleineren Gruppen über das ganze Bergland verteilen, auf dessen Kämmen sich auch die Winzereien mit ihren Wirtschatsbauten nur in langgestreckten Reihen entwickeln konnten. Dörfer fanden hingegen einzig in dem geräumigeren Tale der Muggenau Platz oder haben sich erst allmählich als Kirchorte entwickelt. Aber selbst deren Kirchen, wie St. Nikolai und St. Andrä, stehen auf Bergecken oder gar auf einem Berggipfel, wie Kitzeck auf dem 563 m hohen Steinriegl. Burgen sind hingegen im Sausal keine erbaut worden. Die wenigen heute im Sausal stehenden Schlösser, wie Flamhof, Harracheck oder am Nordrande Waldschach, stammen erst aus der Neuzeit. Im Mittelalter boten hier Berg und Wald in Feindeszeiten ja noch genügend Schutz und Zuflucht.

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Der Bereich des Sausals ist, wie schon erwähnt, ursprünglich ein riesiger Königsforst gewesen, daher ist, entsprechend der Bergnatur, der Wald trotz fortschreitender Rodung und Ansiedlung auch noch das ganze Mittelalter hindurch weitaus vorherrschend geblieben. Er gehörte jedoch in jenen Zeiten nicht den ansässigen Bauern, sonder dem Grundherrn als dem gleichzeitigen Forst- und Jagdherrn des Sausals. Ihm allein stand daher auch die Nutzung zu und er gebot auch über alles Getier, das darin lebte. So hatte sich schon der deutsche König die alleinige Jagd auf Bären und Hirsche in den "Sussentälern" in der Zeit von Anfang September bis Martini (11.Nov.) vorbehalten, und dieses Vorrecht ist dann auch auf das Erzbistum übergegangen. Wenn dessen Erzbischöfe persönlich nach Leibnitz kamen, wie dies bis zum 14.Jhdt. oftmals geschah, so haben sie mit ihren Gefolge selbst im Sausaler Walde mit Hussa und Halloh gejagt, war doch das edle Weidwerk in jenen Zeiten eines der beliebtesten Vergnügen hoher Herren. In Abwesenheit der Erzbischöfe hatte aber das "Jägermeisteramt in dem Wald genannt der Sausel" Forst und Wild zu betreuen. Den jeweiligen Inhaber dieses Amtes hat stets der Erzbischof selbst bestellt und zu genau umschriebenen Obliegenheiten verpflichtet. Diesem Jägermeister oblag in erster Linie Hege und Abschuß des Wildes, die Erteilung eventueller Jagderlaubnis an fremde Herren sowie Verfolgung und Bestrafung der Jagdfrevler und Wildschützen. In solch gewiß mühseliger und verantwortungsvoller Jagdaufsicht ist der erzbischöfliche Jägermeister von seinen Jägern unterstützt worden. Das waren eigens dazu bestellte Leute, die auf stattlichen Bauernhöfen im Sausal, den sogennanten "Gejaidhöfen", saßen und von diesen vom Erzbischof ihnen verliehenen Jagdhöfen aus ihre Reviere zu überwachen hatten. Solche Jagdhöfe haben in Brünngraben, Petzles, Pramach (in Flamberg), Unterjaring, Maggau und Flamberg (heute Schloß Flamhof) bestanden. Auf ihnen wirtschafteten die Jäger und hatten Jagdhunde und Pferde zu halten für die herrschaftlichen Jagdzüge. Die Aufsicht über diese Jagdhöfe oblag dem jägermeister, und vor ihm hatten auch die Jäger selbst alljährlich zu Georgi (24.April) zu erscheinen zur Überprüfung ihrer Hunde, Spieße und sonstigen Jagdwerkzeugs.

Der Jägermeister war aber zugleich auch der Forstmeister. In dieser Eigenschaft hatte er im "Wald Sausel" die Bewilligung und Vergebung des Holzschlages sowie der Waldweide, des sogenannten "Asrechtes" (Eintrieb der Schweine in den Wald) an die umwohnenden Bauern inne. Alles in allem ein sehr gewichtiges und damit viel begehrtes Amt, dessen Inhaber meist adelige Herren gewesen sind, die ihren Ansitz im Sausal selbst gehabt haben.

Der Sausaler Weinbau

Neben Wald und Jagd hat in der Vergangenheit jedoch der Weinbau den landschaftlichen Charakter des Sausals bestimmt. Sein Bergland ist ja von Natur aus von sehr alten Schiefergesteinen aufgebaut, und diese Sausalschiefer haben eine starke Verwitterung, dadurch eine beträchtliche Humusdecke und damit eine große Fruchtbarkeit. Dazu kommt noch ein sehr günstiges Klima. Im Sausal sind die Winter kurz und milde, lange Schlechtwetterperioden und Frostzeiten fehlen, die Sommer hingegen sind sehr warm. Diese Klimagunst läßt im Sausal die Edelkastanie gedeihen und eignet seine Berghänge vorzüglich für den Weinbau. Nur hatte der Weinbau damals eine noch viel größere Bedeutung. Er stellte im Mittelalter überhaupt den ertragreichsten Wirtschaftszweig der Grundherrschaften dar, und das Erträgnis ihrer von den sogenannten Bergholden bearbeiteten Weingärten hat damals das Haupteinkommen der Grundherren gebildet. Also haben auch die Salzburger Erzbischöfe in ihrem Sausal wohl schon frühzeitig für die Auspflanzung der Weinrebe Sorge getragen.
Über die ersten Anfänge des Sausaler Weinbaues haben sich freilich keine Nachrichten erhalten. Im Sausal ist die Kultur der Weinrebe wahrscheinlich auf Betreiben der Salzburger Erzbischöfe durch die von ihnen hier angesiedelten Kolonisten eingeführt und gepflegt worden. Diese deutsche Bauern haben ja erst auf den Bergen den Wald zu schlagen begonnen und auf den so gerodeten Hängen Weingärten angepflanzt. Der Weinbau hat seit jeher und durchaus in den Händen der hier ansässigen Bauern und ihrer Winzer gelegen. Jahrhunderte hindurch haben sie als Bergholden vom Ertrage ihrer Reben der kirchlichen Obrigkeit den Weinzehent, dem Grundherrn aber das sogenannte Bergrecht gegeben, beides in natura als Weinmost. Das ist schon aus dem 12.Jhdt. bezeugt, also ist auch der Weinbau hier im Sausal zumindestens so alt. Hier werden Weingärten auf dem Besitz "Gottfrida von Wieting" im Bereich der Muggenau (beide St. Nikolai im Sausal) erwähnt. Auf den Bergen um den Talschluß des Muggenauertales hatte damals der Weinbau bereits einen solchen Umfang erreicht, daß Admont sich 1160 zur jährlichen Abgabe von zwei Fuhren Wein verpflichten konnte. 1170 sind dann unter dem zur Pfarre Sankt Martin in Leibnitz gehörigen Kirchengut ebenfalls Weingärten und das von ihnen zu leistende Bergrecht erwähnt.
Lage und Umfang seiner ältesten Rebgründe sind nicht überliefert. Vor dem 14. Jhdt. fehlen auch genauere Angaben über Größe und Ausdehnung des Sausaler Weinbaues. Also erst aus jener Zeit, in der sich nur noch der Kern des Sausaler Berglandes im unmittelbaren Besitz des Erzstiftes befunden hat.
Erst aus dem Jahre 1322 werden Weinbauriede namentlich aufgezählt, darunter noch einige, die auch gegenwärtig noch Reben tragen. So enthält die Aufzeichnung der dem Vizedomamt bergrechtpflichtigen Sausaler Weinberge die Namen von 22 Rieden mit ihrer Gesamtlieferung von 131 Urnen Weinmost. Angaben über die Anzahl und Lage der Bergrechtsgüter und der Bergholde fehlen völlig, und von vielen Rieden ist das Ausmaß ihres Bergrechtes nur summarisch angegeben. So z.B. von "Ainöd" mit 23 Urnen oder von der Rieden "Vresen, Zauchen, Grauschkanich, Ertlschach" mit ingesamt 22 Urnen. Die übrigen Weinberge ergaben weit weniger. Sie lagen sämtlich vom Wöllinggraben westwärts gegen den Brünngraben.
Detaillierte Angaben über das Ausmaß der Rebgründe in den einzelnen Sausaler Weinbergen bringt erst ein seckauisches Weinzehentregister aus dem Jahre 1406. Dort sind dann bereits die Namen von 30 Weinbergen überliefert, darunter solche von großer Ausdehnung, wie z.B. das Ried "in der Ainöd" mit allein 80(!) Einzelweingärten. Daraus läßt sich bereits eine beträchtliche Ausdehnung des Sausaler Rebkultur im 15.Jhdt. erkennen. Es gibt zu einzelnen der aufgezählten Weinbaugegenden des Sausaler Berglandes manchmal auch die Anzahl der dort zehentpflichtign "Weingarten oder viertail" an. Im Bereich der salzburgischen Bergrechtsgebietes werden so genannt: "Kautsch" mit 26 Viertel, am "Cekolo" 2, am "Stainpach" 31, am "Patutscha" 31 1/2, "in der Ainöd" 88 1/2, am "Altenperg" und "Erltschach" insgesamt 99 und an der "Zauchen und Gruskanig" 17 Viertel. Die dem Erzstift nicht untertänigen Weinberge um das Bergdorf Neurat sind als "Sticklleiten" mit 28 1/2, Rauchegg 10, Dorferegg 8, Mitterberg 13 und Karegg mit 6 1/2 Viertel Weingarten verzeichnet. Damit ist erstmals ein, wenn auch nur ungefährer überblick über die zu Anfang des 15.Jhdt. im Sausal bestehenden Rebgründe, gegeben.
Das Vizedomamt Leibnitz selbst hat eigene Aufzeichnungen über seine Sausaler Weinberge erst aus dem 16.Jhdt. überliefert. Sein ältestes erhaltenes Bergbuch enthält jedoch wieder nur eine summarische Aufzählung jener 23 Weinbaugegenden, in denen dem Erzstift das gesamte Bergrecht eignete. Davon liegen Höch, Baumgarten, Globeregg, Hollerberg, Zauchen, "Gruaschkanegk" (Brudersegg), Sachernegg, Steinbach, Sanetz, "Tzekler" (Zeggerl), Altenberg, Edlschach, Einöd, Teutenbach, "Padtueschnikh" (Petutschnig), Trebian, Gauitsch, Plesch und Buch im eigentlichen Sausaler Bergland. Diese Weinberge stellen jedoch nur den Südteil des Sausals dar, der anschließende Nordteil hingegen fehlt - die größte hier gebildete Bergherrschaft ist das Stift Admont, dessen "Bergrechtsregister für Sausal 1513" jedoch nicht erhalten blieb.
Das Weinbauausmaß hat dann im Laufe des 16.Jhdt. infolge des Wegfalles der Konkurrenz ausländischer Weine - des Ungarweines - noch eine beträchtliche Steigerung erfahren und damit wohl alle geeigneten Gehänge des Berglandes erfaßt. Sie hat im Sausaler Bergland zu einer solchen Ausweitung der Rebgründe geführt, daß sich das Leibnitzer Vizdomamt zu einer Neuorganisation ihrer Verwaltung gezwungen sah. Man teilte den erzbischöflichen Besitz im Sausal in zwei selbständige Bergrechtsämter und unterstellte diese der Aufsicht von zwei eigenen Amtsmännern. Ob dies schon 1538, wo von "paiden Sausellen" die Rede ist, ist nicht klar erkennbar, aber 1571 hat eine verwaltungsmäßige Trennung in einem Vordern und Hindern Sausal bereits stattgefunden.
Die salzburgerische Bergherrschaft im Sausal fand 1595 ihr Ende, als Erzbischof Wolf Dietrich (1587 bis 1612) die Herrschft Leibnitz seinen Suffragan Martin Brenner schenkte, die Herrschaft Landsberg aber seinem bisherigen Leibnitzer Vizedom und Hofmeister Hans Jakob von Khuenberg verkaufte. Dessen Einfluß ist es zweifelslos zuzuschreiben, daß bei dieser Aufteilung des erzstiftischen Besitzes die beiden Sausaler Bergämter nicht bei ihrer angestammten und viel näher gelegenen Herrschaft Leibnitz verblieben sind, sondern der weitab gelegenen Herrschaft Landsberg zugeteilt wurden. Sicher wegen der ertragreichen und deshalb wertvollen Weingärten und Bergrechtsgüter im Sausal. Gerade dies aber mag den Erzbisschof Paris Graf Lodron (1619 bis 1653) darin bestärkt haben, die Herrschaft Landsberg wieder seinem Erzstift zurückzugewinnen. Er ließ auf Prozeßwege Landsberg als salzburgeriosches Eigentum erklären und zwang 1630 Hans Ferdinand von Khuenberg zu deren Abtrennung. Mit dieser Revindikation ist auch der gesamte bis 1595 dem Leibnitzer Vizedom unterstandene Bereich des Sausals wieder an das Erzstift zurückgegangen und seitdem unter salzburgerischer Grundherrschaft und Verwaltung bis 1805 verblieben.
Das Zentrum des 1630 revindizierten Besitzes Salzburgs innerhalb der Weststeiermark bildete seither die "Hochfürstlich Salzburgerische Hauptmannschaft Landsberg". Ihre straffe, von einer eigenen Beamtenschaft besorgte, durchaus im Geiste neuzeitlicher Amts- und Geschäftsführung eingerichtete Verwaltung hebt sich scharf von jener des einstigen Vizedomamtes in Leibnitz ab. Schon das erste nach 1630 verfaßte Gesamturbar der Landsberger Grundherrschaft bietet einen bisher nicht überlieferten Einblick in Lage, Ausmaß und Ertrag ihres Sausaler Bergrechtes und der Güter der dortigen Bergholden und Berggenossen. Ihr Gesamtbesitzstand wird auch in diesem Urbar zunächst in die schon 1571 bezeugten Bereiche des Vordern und Hintern Sausal geschieden. Ersterer erscheint hier als des "Simon Hollen Amth", letzterer als des "Veiten Orthaber Amth".
Beide Bergämter sind wieder nach ihren inliegenden Weinbergen beschrieben mit genauer Verzeichnung der in diesem vorhandenen Bergholden und deren nach Vierteln und Rachen geschätzten Bergrechtsgütern.
Der Bereich Vordern Sausal enthält die "Weinberge Kalchriegl, Küzegg, auf der Höch, Steinriegl, Brudersegg, Ainedt, Patuetschnickh, Schachernickh, Stainpach, Mittern Gauitsch, Trebian, Zegerle, Gautschperg, Hochegg, Kharegg, Mitteregg, Ebenegg, Plesch und Buch, Voregg, Hinteregg und Gaisriegl". Also insgesamt 25 Weinberge, in denen 488 Bergholden 1234 Viertel drei Rachen Bergrechtsgründe besaßen. Dieses Bergrechtsamt umfaßte das Bergland vom Wöllinggraben westwärts bis zum Zauchengraben und von der Enge von Fresing nordwärts bis zum südlichen Quellgraben des Muggenauerbaches.
Der Bereich Hintern Sausal begriff die Weinberge Hollerberg, Karleiten, Neubaumgarten und Mitterriegl, Altenbaumgarten, Globeregg, Mitterberg, Plöderl, Heinrich und Kohlgruben, Farmb, im Satl, Breitriegl, Hemetriegl, Schmalegg, Zwickl, Krariegl, Neundorfer Sausal, Niedern Sausal, Kerschegg und Nieder Kerschegg in sich. Somit insgesamt 20 Weinberge, in denen 425 Bergholden 721 Viertel 1 1/2 Rachen Bergrechtsgründe innehatten. Dieses zweite Bergrechtsamt erstreckte sich also vom Zauchengraben westwärts bis zum Farmbachgraben und von hier nordwärts über Harracheck, Mandlkogl und Kerscheck bis gegen Neudorf.
In der ersten Hälfte des 17.Jhdt. bewirtschafteten demnach in beiden Bergrechtsämtern insgesamt 912 Bergholden bzw. Berggenossen 1956 Viertel 1/2 Rachen Bergrechtsgrund. Das entspräche einer allerdings sehr problematischen Umrechnung - 1 Viertel Weingarten = 1/2 Joch und 1 Katastraljoch = 58 Ar - einer Bodenfläche von 978 Joch bzw. 567,24 Hektar. Sie stellt das Gesamtausmaß des bergrechtpflichtigen Grund und Bodens überhaupt dar, da dies nicht reine Rebkulturen waren. Die im Sausaler Bergland bis in das 19. Jhdt. vorherrschende Flurform ist ja die sogenannte Weingartstreifenflur, in der seit jeher nicht nur Rebgrund, sondern auch noch andere Kulturgattungen (Obstgärten, Wiesen, Wald, usw.) entalten gewesen sind. Schon das 1543 kodifizierte Weinbergrecht Art.34 spricht von "haiholz im Perkrecht", und ein 1382 verkauftes Weingut in Breiteneck (bei St. Nikolai im Sausal) enthielt nicht nur Rebengrund, sondern auch Wald. überdies umfaßte der erzstiftische Besitz innerhalb seiner Bergrechtsämter Hintern und Vordern Sausal nicht allein Bergrechtsgüter, sondern auch Zinsgüter. Beide Güterkategorien lagen, wie das Landsberg Urbar von 1680 deutlich erkennen läßt, innerhalb der einzelnen Weinberge in völliger Gemeingelage und sind daher auch einheitlich nach Vierteln geschätzt und veranlagt worden. Solche Zinsgüter enthielten im Sausal neben Äckern, Weiden und Hölzern oft auch Weingärten, und diese sogenannten "Zinsweingärten" dienten neben anderen Abgaben auch "Zinsmost". Die Bergherrschaft aber hat die als Berg,- Zins- und Zehentmost ihre alljährlich abgelieferten Weinmengen keineswegs säuberlich getrennt, sondern einfach summarisch in Startin und Kandeln aufgezeichnet. Eine zahlenmäßige Erfassung der aus dem Rechtstitel des Bergrechtes allein eingehenden Weinmengen und daraus ein Rückschluß auf das Areal der bergrechtpflichtigen Rebgründe des Sausals ist also auch aus diesem Grund nicht möglich.

Die Quellen des 18. Jhdt. geben kein klareres Bild. 1749 gibt die Landsberger Bergherrschaft nur an, ihre Sausaler Bergholden besäßen im "Vordern Ambt" insgesamt 1202 1/2 Viertel Weingärten, im "Hintern Ambt" hingegen nur 734 Viertel. 1751 werden dann in ersterem 29 Weinberge namentlich aufgezählt, in letzterem nur 21 Namen und Reihenfolge der Weingärten beider Ämter stimmen jedoch mit denen von 1640 überein. Die Landsberger Urbare von 1757 und 1759 verzeichnen unter ihrem Bergrecht im Amt Vordern Sausal 470 Urbarnummern, im Amt Hintern Sausal hingegen 473. Darunter wieder Bergrechts- und Zinsgüter in bunter Mischung.
Die im Laufe der Jahrhunderte stetig ansteigende Ausdehnung des Weinbaues auf alle Höhenzüge des Sausaler Berglandes und die damit ebenso wachsende Zahl seiner Bergrechtsgüte und Bergholden hat das Erzstift Salzburg frühzeitig zu einer wirtschaftlichen und rechtlichen Regelung seiner Reblandwirtschaft gezwungen. Eine Grundlage hierzu bot ja das im Land Steiermark schon seit dem 13. Jhdt. übliche Weingartrecht, das "Jus montis quod vulgo perchrecht solet appellari". Wann und wie es auch im Sausaler Weinbaugebiet zur Anwendung gelangt ist, bleibt unklar, da aus der Zeit des Vizdomamtes Leibnitz darüber keinerlei Aufzeichnungen erhalten sind.
Seit 1630 ist, wie schon erwähnt, im Zuge der Errichtung der Hauptmannschaft Landsberg auch die Verwaltung des salzburgerischen Bergrechtsgebietes im Sausal neu organisiert worden. Nun erscheint unter der Beamtenschaft auch der "Hochfürstliche Bergrichter im Sausal", ein eigens bestellter und besoldeter Beamter für das neue "Berggerichtsamt im Sausal". In der Stellung eines Bergmeisters oblag ihm die Kontrolle der Leistungen der Bergholden, in erster Linie der von ihnen abzuleifernden Weinmengen, über deren Eingang er der Hauptmannschaft alljährlich Rechnung zu legen hatte. In seiner Eigenschaft als Bergrichter aber war er für die Einhaltung der Bergrechtsordnung und den Vollzug der im Bergtaiding über die Bergholde fallweise verhängten Bußen unnd Strafen verantwortlich. Sein Amtssprengel umfaßte beide Bergrechtsämter, also den gesamten der Herrschaft Landsberg grunduntertänigen Bereich des Sausals. Anfänglich amtierte dieser Bergrichter in Landsberg selbst, so daß die Sausaler Untertanen dorthin jedesmal einen Weg von sechs bis sechseinhalb Stunden Dauer zurücklegen mußten. Das erschwerte natürlich die Verwaltung und Rechtspflege, und so kam es 1655 zur Errichtung eines eigenen Amtsgebäudes direkt im Sausaler Bergland. "Damit die Bergholden in ihrer Nähe eine eigene Verwaltung und durch diese eine unverzögerte Rechtshilfe in Streitfällen haben sollte", wie ausdrücklich gesagt wird.
Dieses zu Ehren des damals regierenden Erzbischofs Guidobald Graf Thun (1654 bis 1668) benannte "Hof- oder Berggerichtshaus Thunegg im Sausal Hintern Ambts" lag "auf dem Kalchriegl zu obrist des Zwickl" - an seiner Stelle steht jetzt die Volkschule Höch - und enthielt neben Wirtschaftsgebäuden die Wohnung des Gerichtsboten und Arreste. Dazu gehörte noch der 1648 in Hinteregg erbaute "Hofkeller". Damit war sowohl ein geigneter Mittelpunkt für die Verwaltung der Sausaler Bergrechtsgüter als auch für das "Hochfürstlich Salzburgische Berggericht im Sausal" geschaffen. Hier traten die Bergholden und Berggenossen alljährlich zur Gerichtsversammlung, dem "Bergtaiding", zusammen, hier erledigte zwischendurch der Bergrichter seine Amtsgeschäfte. Hierher ritt aber auch der hochmögende Herr Hauptmann mit seinen Dienern und Amtsschreibern zur "Lese" und zum "Abnehmen" der als Bergrecht, Zinsmost und Weinzehent eingehenden Mengen Weinmost. Gleichzeitig wurde auch das Bergtaiding abgehalten. Für die Durchführung dieser drei so wichtigen Geschäfte bestimmte im 17. Jhdt. die Hauptmannschaft in der Regel die Zeit von der zeiten Hälfte Oktober bis in die Hälfte November und ließ dies von den Kanzeln der fünf umliegenden Pfarrkirchen "verkünden". An Stelle des Berghauses Thunegg ist später unter der Regierung des Erzbischofes Franz Anton Graf Harrach (1709 bis 1727) ein neues Amtsgebäude getreten, das heutige Schlößchen Harracheck - oder was davon übriggeblieben ist. Eine Grenzbeschreibung des Sausaler Bergerichtsamtes, des Gerichtssprengel, erscheint noch 1795 als das "Hochfürstlich Salzburgerische Berggericht zu Harrachegg", um schließlich 1812 durch Ausscheiden aus der damaligen Staatsherrschaft Landsberg zum Bereich des neuen Dominiums Harracheck zu werden.
Seit dem Ende des 17. Jhdt. begann dann der Weinbau im Sausal allmählich zurückzugehen, um schließlich 1826 an die letzte Stelle aller Kulturgattungen herabzusinken. Wie weit aber in früheren Jahrhunderten die Weingärten das ganze Bergland einst überdeckt haben, verraten heute noch die langgestreckten Zeilen der Bergbauerngehöfte entlang seiner Höhenrücken.